Gestern, im außergewöhnlich frühen Frühdienst: Da entdecke ich einen Schmetterling auf meinem Schreibtisch. Kein Flügelschlag, kein Zittern. Er rührt sich nimmer. Es ist das erste Mal in acht Jahren, dass ich ein totes Insekt auf diesem Schreibtisch finde, echt wahr. Bis dahin: keine Fliege, kein Käfer, kein Schmetterling auf der Schreibunterlage. Mein erster Gedanke natürlich: „Das Schweigen der Lämmer", Buffalo Bill! Und: Wer will mir Böses? Gibt es Irre um mich? Menschenhäuter, die schon mal ihr Markenzeichen deponiert haben mit diesem unschuldigen, übrigens ausgesprochen schönen, violett schillernden Schmetterling?
Wozu einen schlechte Träume und zu kurze Nächte (es war nur der frühe Frühdienst, nicht das späte Ausgehen, ehrlich!) so verleiten. Im nächsten Moment nämlich fährt mein Computer hoch, die Startseite des Internet öffnet sich. Und was blitzt mir da als erste Meldung auf diesem internationalen Informationsportal entgegen? Na? (Frei übersetzt und simplifiziert:) „Schlafentzug kann zu Halluzinationen und Wahnvorstellungen führen" - auch Verfolgungswahn etc. etc. Was zu beweisen war?
Fakt ist: Der Schmetterling - ich habe ihn zu Boden (nicht zu Tode!) gepustet - hat noch stundenlang ein Post-mortem-Dasein, mutmaßlich traurig, in den Niederungen der Redaktionsstube (sagt man nicht mehr, das heißt jetzt Newsroom) gefristet.
Dachte ich jedenfalls. Denn plötzlich bewegt das Tier seine Flügel. Langsam und bedächtig. Und versucht schon mal abzuheben. Von (schein-)tot zu doch recht lebendig: auch irgendwie gruselig.
Es war aber wirklich nur der frühe Frühdienst. Und nicht das späte Ausgehen. Ehrlich!
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