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Die guten Ideen sind alle schon weg

31.08.2012 | 18:31 |  MIRJAM MARITS (Die Presse)

Paulo Coelho und der Dalai Lama hätten es eleganter formuliert, aber Freundin C. hatte schon recht. „Das Leben,“, sagt sie neulich, „ist so kompliziert, wenn man selbst so kompliziert ist.“

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Paulo Coelho und der Dalai Lama hätten es eleganter formuliert, aber Freundin C. hatte schon recht. „Das Leben,“, sagt sie neulich, „ist so kompliziert, wenn man selbst so kompliziert ist.“ Ein Satz, das war mir sofort klar, der in einen Ratgeber gehört. Für einen solchen benötigt man einen banalen, aber klug klingenden Titel, den man im Buchinneren in pseudopoetischer Sprache („Befreie dich von den Ketten des Zwangs“, das ist ganz einfach, versuchen Sie es mal) und mit einer Prise Esoterik („Das Herz hat immer recht“) auswalzt. Aus C.s Bemerkung etwa könnte man den Buchtitel „Lebe einfacher“ machen. Oder: „Simplify your life“. Das Problem nur: Das gibt es alles schon. Letzteres gleich als Serie: Auf den Bestseller „Simplify your life – die Weihnachtsfreude wiederfinden“ folgte „Simplify your life – Küche, Keller, Kleiderschrank entspannt im Griff“. Wenn ich raten müsste, steht da auf 132 Seiten vermutlich großzügig ausformuliert das, was einem die Oma mit einem einfachen „Schmeiß alles weg, was du nicht mehr brauchst“ mit ins Leben gegeben hat. Überhaupt hatte man früher für jede Sorge einen Stammbuch-Spruch („Wenn du glaubst, es geht nicht mehr ... “), der musste reichen, Themenwechsel. Heute wird jedes Problemchen („Mein Nagellack trocknet so langsam“) auf der eigenen Facebook-Pinwand, diesem Stammbuch 2.0, von zig Lebensberaterfreunden kommentiert.

Und trotzdem kaufen sich die Menschen zusätzlich Rat in Buchform. Weil es alle meine Ideen schon gibt, werde ich das mit dem Ratgeberverfassen sein lassen, auch wenn sich sicher auch dafür ermutigende Literatur („Glaube an dich, schreibe!“) findet. Oder ich schreibe einen Antiratgeber: „Gib deine Träume einfach auf“. Das gibt es laut Amazon nämlich noch nicht. Aber da gilt wohl: Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit. Und ja, auch der Spruch ist schon jemandem vor mir eingefallen.

 

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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