Das hat es auch schon lang nicht mehr gegeben. Oder eigentlich überhaupt noch nicht. „Von dir will ich den Ausweis sehen. Dir glaube ich nämlich nicht, dass du dreißig bist“, sagt der Türsteher. Bin ich auch nicht, ich bin 36, fast 37 Jahre alt – und damit eigentlich hoch qualifiziert für dieses Clubbing in Wien, von dem ein Kollege allerdings böse behauptet, es wäre ein Secondhandladen. Für Männer, die dort umgeben von Geschiedenen oder Übriggebliebenen praktisch nur zuzugreifen bräuchten. Und zwar bei einem Mischverhältnis Männer/Frauen von etwa eins zu vier. Stimmt ja gar nicht!!! Es lag bei höchstens eins zu drei bei meinem „ersten Mal“ bei diesem Clubbing für „30-plus“.
Ein Alter, das der Türsteher am Ende auch mir zugestanden hat, meiner E-Card samt gut leserlichem Geburtsdatum sei Dank. Kurz hat der Herr an der Pforte noch geschluckt, war ihm wohl ein wenig peinlich, seine mangelnde Ich-schätze-dein-Alter-Kompetenz. Dann hat er sich mit einem „Da fängt der Abend doch gut an, oder, wenn man für so jung gehalten wird . . .“ aus der Affäre zu ziehen versucht. Ja, danke auch!
So komme ich also endlich zum Empfangsschalter mit der Gästeliste. Auf der ich auch, das sagt mir jedenfalls ein E-Mail des Veranstalters, brav vorgemerkt bin. Hm, die Dame (sie sagt „Sie“ zu mir, ich bin schließlich über 30!) findet meinen Namen nicht. „P-Ö-Doppel-L“ hab ich ihr buchstabiert. „Nichts zu finden“, sagt sie. Komisch. Hartes P, nicht B? „Hab ich doch, mit hartemP, Pröll“, sagt sie. Und weiter: „Wie der Erwin.“
Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist mir ja wirklich und ehrlich noch nie passiert, dass mich jemand mit einer aus der Landeshauptmann-/Ex-Vizekanzler-Dynastie verwechselt und daher wahlweise lobt oder schimpft. Und jetzt raten Sie mal, was öfter vorkommt.
Am Eingang ins Elysium gab es dann auch noch einen Stempel auf den Unterarm: „Wir lieben dich!“
Was soll ich sagen: Es war ein runder Abend.
E-Mails an: regina.poell@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)
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