Wie kann ich behilflich sein?“, fragt die elektronische Lebenshilfe höflich, um gleich darauf die erbetenen Wetterdaten herunterzuleiern. Fernsehen oder Radio hören? Von gestern! Der moderne Mensch konsultiert sein Smartphone, um an Informationen zu kommen.
In Diskussionen mit ewigen Besserwissern ist via Internet in Sekundenschnelle jede Auskunft parat. Das unterbricht zwar das Gespräch, ist aber für das Gegenüber sehr lehrreich! Irren Sie in fremden Städten oft verloren umher? Keine Angst – lästiges Nach-dem-Weg-Fragen gehört dank der eingebauten Navigation ab sofort der Vergangenheit an. Auch Nachtschwärmer sollten daher niemals auf ihr kluges Mobiltelefon vergessen. Wer sich um drei Uhr früh nach dem Besuch eines neuen In-Lokals in einem leider noch unbekannten Viertel nach einer „Eitrigen“ sehnt, muss nicht lange suchen. Die Würstelstand-Applikation lotst ihn schnell zur nächsten Käsekrainer-Ausgabestelle. Nicht genügend Geld im Börsel? Kein Problem! Die Bankomat-Applikation weiß Rat (nein, das Geld kommt leider – noch – nicht direkt aus dem Handy).
Was aber einerseits zu einer Minimierung der Kommunikation mit physisch Anwesenden führt, hat andererseits eine Art Überkommunikation elektronischer Art zur Folge. Früher einmal konnte man davon ausgehen, dass eine Verabredung hält, ist sie einmal fixiert. Heute ruft die Freundin einen Tag vorher noch einmal an: „Treffen wir uns morgen eh?“ Später noch ein SMS: „Geh' ma wirklich ins...?“ Und zum vereinbarten Termin: „Geht's auch zehn Minuten später?“ Wer wartet schon gern allein im Lokal? Da ist es doch ein Glück, dass man die Schmach gleich mit allen Facebook-Freunden teilen kann.
E-Mails an: anna.gabriel@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2012)
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