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Nachbarschaftliches

08.10.2012 | 18:07 |  DUYGU ÖZKAN (Die Presse)

Solange er nicht seine Frau und Kinder anschreit, ist mir die laute Musik ja schnurz.

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Solange er nicht seine Frau und Kinder anschreit, ist mir die laute Musik ja schnurz, aber erstens keppelt er mit seiner Familie, was das Zeug hält, und zweitens ist mir die laute Musik in Wahrheit überhaupt nicht schnurz. Nachbarn, die einen völlig aus der Fassung bringen – schon wieder so eine Situation im Leben, worauf mich Walt Disney nicht vorbereitet hat.

Indessen beschäftigt Freundin Filiz eine ganz andere nachbarschaftliche Angelegenheit: Kontaktaufnahme mit den Bestandteilen der Männer-WG im vierten Stock. Der eigens dafür generierte Masterplan sieht vor, dass Filiz in den nächsten Tagen an der WG-Tür klopft und folgende Frage stellt: „Braucht's ihr Zucker?“ So kommt man ins Gespräch und Simsalabim hat sie die Zusage für ein Candle-Light-Dinner beim noblen Inder in der Tasche, er wird freilich die Rechnung übernehmen. Ich persönlich bin mir noch nicht sicher, wie ich diesen Masterplan einordnen soll, vermutlich liegt er irgendwo zwischen enorm originell und komplett vertrottelt. Sollte der Plan aber aufgehen, ist Filiz in Sachen Kontaktaufnahme eindeutig erfolgreicher als ich. Kürzlich, berufliche Angelegenheit, warte ich im Café Museum auf meinen Interviewpartner, von dem ich nicht weiß, wie er aussieht, und vice versa. Am Eingang steht ein älterer Herr, das könnte er sein. Blickkontakt. Wir gehen aufeinander zu, nicken, lächeln, schütteln einander herzlich die Hand.
Er: „Sie sind Frau Doktor Fleisch?“
Ich: „Nein. Ich nehme an, Sie sind nicht Herr...?“
Er: „Nein.“
Wir schweigen, schütteln einander immer noch die Hand, wenn auch nicht mehr so herzlich.
Er: „Wiederschau'n!“
Ich: „Wiederschau'n!“
Ob das peinlich war? Ich weiß nicht. Auf jeden Fall habe ich eine Runde blöd geschaut.
PS (völlig zusammenhanglos): Sicher hat ein Leser oder eine Leserin heute Geburtstag. Alles Gute Ihnen, bleiben Sie gesund.

 

E-Mails an: duygu.oezkan@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

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