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Eine Tasse Kakao für den Nobelpreis

12.10.2012 | 18:34 |  MIRJAM MARITS (Die Presse)

Am liebsten mag der Mensch Studien und Statistiken, in denen er gut wegkommt. Politiker glauben etwa immer nur die Umfragen, in denen sie gerade ziemlich vorn liegen.

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Am liebsten mag der Mensch Studien und Statistiken, in denen er gut wegkommt. Politiker glauben etwa immer nur die Umfragen, in denen sie gerade ziemlich vorn liegen. Mir würden derzeit zum Beispiel Studien gefallen, die besagen, dass Frauen knapp über 30 die attraktivsten, produktivsten und überhaupt besten sind. Im Alter von 22 Jahren habe ich mich einige Wochen sehr an einer damals publizierten Statistik erfreut, derzufolge Frauen mit 22,4 Jahren den Höhepunkt ihrer Schönheit erreicht haben. Mit 22,5 Jahren habe ich die Statistik dann als ziemlich überbewertet abgetan, heute weiß ich, dass die damalige Studie Blödsinn war und sich die Autoren locker um zehn Jahre verrechnet haben.

Nun ist, passend zum Nobelpreisvergabewahnsinn in dieser Woche, eine Studie aufgetaucht, wonach Länder, in denen der Schokoladekonsum höher ist, mehr Nobelpreisträger hervorbringen. Der Studienautor mit dem für diese Branche großartigen Namen Messerli hat erhoben, dass die Schweizer am meisten Schokolade essen und auch im Laufe der Jahre die meisten Nobelpreisträger verzeichnet haben. Nun müsste man natürlich nachfragen, ob die Nobelpreisträger als Noch-nicht-Nobelpreisträger tatsächlich wesentlich zum Rekord-Schokoladekonsum ihres Landes (6,4 Kilo pro Jahr!) beigetragen oder doch ein wenig gesünder gelebt haben, während sie an ihren klugen Dingen geforscht haben. Jedenfalls aber gehört dem Autor der „Feel good“-Ehrennobelpreis, weil er notorischen Schokoladeessern weltweit ein gutes Gewissen macht. Eine Tasse Kakao am Morgen, eine Milka am Nachmittag, ein Betthupferl (gibt's die eigentlich noch?) vor dem Schlafengehen: alles Investitionen in die Zukunft. Mit meinem sehr fragmentarisch vorhandenen naturwissenschaftlichen Talent bin ich zwar nur eingeschränkt Anwärterin in den Kategorien Physik und Chemie. Aber ich hoffe weiter auf den Literaturnobelpreis.

 

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

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