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Alte graue Männer raus, junge graue Männer rein

16.10.2012 | 18:11 |  OLIVER GRIMM (Die Presse)

Die Zukunft der Demokratie fand vergangenen Sonntag in einer Brüsseler Volksschulklasse statt.

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Ich habe die Zukunft der Demokratie gesehen, und sie stimmt mich nicht gänzlich zuversichtlich. Die Zukunft der Demokratie fand vergangenen Sonntag in einer Brüsseler Volksschulklasse statt. Dort hatte sich jene Wahlkommission eingerichtet, bei der ich meine Stimme anlässlich der belgischen Kommunalwahlen abzugeben hatte. Diese Volksschule verströmte jenes Flair staatsbürgerlicher Ernsthaftigkeit, das Sie sicher kennen; mich rührt das immer sehr, wie vor allem ältere Mitbürger sich extra fein machen, um zur Wahl zu gehen. Besonders berührt, und zwar peinlich, war ich auch an diesem Sonntag in Brüssel, denn ich betrat das Wahllokal nicht im Sonntagsstaat, sondern in einem verschwitzten Trainingsanzug, frisch von einem Fußballplatz dahergelaufen, denn wer bitte steht am Wochenende um acht Uhr auf? Zumal man es in Brüssel vermeiden sollte, zu den ersten Wählern zu zählen. Dann kann es nämlich passieren, dass man mangels Beisitzern in die Wahlkommission zwangsrekrutiert wird (denn wer bitte steht am Wochenende um acht Uhr auf?).

Ja, aber was jetzt mit der Zukunft der Demokratie, höre ich Sie quengeln. Ruhig Blut, ich bin schon so weit: Die Zukunft der Demokratie ist eine Plastikchipkarte, die man in einen Computer schiebt, worauf man mit einem Plastikgriffel auf einem Bildschirm herumzutippen hat. Dann wirft man die Chipkarte in eine Urne. Das ist fortschrittlicher, als sein Kreuz auf einem Papierzettel zu machen und selbigen danach in eine Urne zu werfen – zumindest für jene Firma, die mit dem Verkauf von E-Voting-Apparaten an gutgläubige belgische Gemeinden einen Reibach gemacht hat.

Ansonsten sieht die Zukunft der Demokratie so aus: Nach der Wahl treten alte graue Männer „erhobenen Hauptes“ ab, während junge graue Männer geloben, „den Willen der Wähler“ erfüllen zu wollen. Also fast wie ihre Gegenwart.

 

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2012)

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