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Männernachthemden und andere Fantasien

19.10.2012 | 18:27 |  MIRJAM MARITS (Die Presse)

Weil man derzeit in Wien viel von nackten Männern spricht und sie hie und da – Leopold-Museum sei Dank – auch sieht, muss an dieser Stelle einmal mit einem unverwüstlichen Ratschlag aufgeräumt werden.

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Weil man derzeit in Wien viel von nackten Männern spricht und sie hie und da – Leopold-Museum sei Dank – auch sieht, muss an dieser Stelle einmal mit einem unverwüstlichen Ratschlag aufgeräumt werden. Und der geht so: Ist man vor einer Prüfung/einem Vortrag nervös, stelle man sich den Professor/die versammelte Runde einfach nackt vor, schon sei die Angst verflogen. So ein Blödsinn, bitte. Niemals sollte man jemanden, mit dem man beruflich zu tun hat, unbekleidet sehen, nicht einmal in der Fantasie. Durch derartige unauslöschbare Bilder verliert man weniger die Angst als vielmehr Konzentration und Respekt. Aus diesem Grund sollte man dem beruflichen Umfeld auch nie im Bikini begegnen. Im Sommer bade ich an der Alten Donau sicherheitshalber ohne Kontaktlinsen, um niemanden eindeutig identifizieren zu müssen.

Dann ist es heuer doch passiert. Ein Interviewpartner, sonst stets geschniegelt in Anzug und Hemd, stellte sich beim Buffet direkt hinter mir an. In einer zu engen Altherrenbadehose. Glücklicherweise wollte er mich auch nicht erkennen, ein verkrampftes Händeschütteln im fast nackten Zustand blieb uns erspart. Beim nächsten Treffen in Vollbekleidung werde ich ihn aber trotzdem in Badehose vor mir sehen. Prüde, sagen Sie? Nun, ich bin nicht allein. Neulich war im Großraumbüro von unserer Nachtbekleidung die Rede und niemand wollte sich auf seine Pyjama-Vorlieben – Seide? Baumwolle? Nackt? – festlegen. Nur Kollege G. fragte erstaunt in die Runde, was wir eigentlich gegen Männernachthemden hätten. Kurz wurde es still und jeder ein bisschen rot, weil sich alle G. im Nachthemd vorstellen mussten. Da nützt es auch nichts, dass er seither versichert, er habe bestimmt kein solches Nachthemd daheim. Das Bild bleibt. Ich selbst finde diese karierten Baumwoll-Pyjamahosen gar nicht schlecht. Aber stellen Sie sich das jetzt bloß nicht vor.

 

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)

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