Eine Zimmerpflanze für Barack Obama

09.11.2012 | 18:38 |  MIRJAM MARITS (Die Presse)

Das Timing war nicht optimal. Dass zur selben Zeit dieser Barack Obama wiedergewählt wurde, hätte man verkraftet.

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Das Timing war nicht optimal. Dass zur selben Zeit dieser Barack Obama wiedergewählt wurde, hätte man verkraftet. Aber als dann noch ein Teil des westeuropäischen Kulturerbes, die Kastelruther Spatzen also, über den großen Schunkelschwindel stolperten, hatte sie aufmerksamkeitstechnisch endgültig keine Chance mehr. Die Zimmerlinde.

Dabei hat man sich wirklich bemüht beim Blumenmarketing Austria (oh ja, gibt es wirklich). Ist mit zärtlichen („ihre samtweichen Blätter“) und harten Argumenten aufgefahren: „Langsam wird es kalt und nebelig, und was würde dazu besser passen als eine Schmusepflanze?“ (fast alles, liebes Blumenmarketing, fast alles). Ja, die Zimmerlinde sollte groß rauskommen, ehe ab Dezember wieder diese ganzen Nadelbäume die Vorherrschaft auf dem Pflanzenmarkt übernehmen. Der ist offenbar schwer umkämpft. So haben auch die Heckenpflanzen eine eigene Lobby. Heute ist, in Niederösterreich zumindest, Weltheckentag (www.heckentag.at). Da wird allerlei Gebüsch zum Schleuderpreis verkauft. „Der heimliche Star“ ist dabei übrigens die Purpurweide, wie ich der Einladung der „Regionalen Gehölzvermehrung“ entnehme. Die hat auch die dazupassende Datenbank etabliert: „Heckipedia“ (oh ja, gibt es auch wirklich).

Nach dem großen Heckenfest sollte man aber wieder nach vorne und in die Volksmusikszene schauen. Weil man kennt das ja: So ein aufgeflogener Skandal tritt meist eine ganze Lawine los. Was kommt als nächstes? Wird bekannt, dass die Zillertaler gar keine Schürzenjäger waren? Trägt Hansi Hinterseer in Wahrheit die alte Modern-Talking-Perücke von Dieter Bohlen oder outet sich als Moonboot-Hasser? Wieso will Michael Jacksons seltsamer Bruder Jermaine – auch eine wahre Geschichte – seinen Nachnamen von „Jackson“ auf „Jacksun“ ändern? Und wo gibt es eigentlich diese Zimmerlinden? Soll ja ziemlich nebelig werden.

 

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2012)

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