Die ganz große Staubsauger-Schikane

30.11.2012 | 18:30 |  MIRJAM MARITS (Die Presse)

Natürlich hat die vorweihnachtliche Welt andere Sorgen. Punsch trinken, Geschenke suchen. Ich aber suche Staubsaugerbeutel.

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Natürlich hat die vorweihnachtliche Welt andere Sorgen. Punsch trinken, Geschenke suchen. Ich aber suche Staubsaugerbeutel. Die alten sind aus und tatsächlich gibt es wenige Dinge in der westlichen Welt, die so schikanös organisiert sind wie der Versuch, Säcke zu erwerben, die man in Staubsauger klemmt. Die Hersteller haben sich in einem der gemeinsten Komplotte der jüngeren Haushaltsgerätegeschichte darauf eingeschworen, möglichst sinnlos lange Namen für die Beutel zu erfinden. Naheliegende Bezeichnungen wie Typ A für kleine, Typ B für große Beutel wurden als zu kundenfreundlich verworfen. Alle paar Monate werden diese Namen zudem gegen neue Kombinationen aus Buchstaben, Ziffern und Zusätzen wie „Carat Effect“ (Carat Effect?) ausgetauscht.

Erschwert wird die Beutelsuche dadurch, dass die Verpackung der alten Beutel unauffindbar ist. Ehen wären schon beinahe zerbrochen, weil einer der Partner (raten Sie mal, welcher) die Schachtel entsorgt hat. Auf dem Beutel selbst steht praktischerweise nur ein Bruchteil des Namens, GXL (oder so). Auch die Kenntnis des Staubsaugermodells hilft wenig, im telefonbuchdicken Verzeichnis der lieferbaren Beutel findet der vermutlich in die Staubsaugerabteilung strafversetzte Verkäufer das Modell „black power“, nicht aber das zu Hause beutellos wartende „green power“. Trotzdem schlägt er die Beutel 196 SW Typ CV (oder so) vor, die passen dürften. Dürften! Ob ich die umtauschen könne, frage ich. Nur originalverpackt. Es wird schwierig, die Beutel auszuprobieren, sage ich, ohne sie auszupacken. Zynismus verträgt der Staubsaugerbeutelmann gar nicht, er verweist nur auf das Regal mit den billigeren Beuteln, den Generika-Versionen quasi. Die heißen natürlich ganz anders, SVR 2100 Polybag (Polybag?) etwa. Könnten aber auch passen. Könnten! Ab sofort wird der alte Beutel händisch ausgeleert, wie zu Studenten-WG-Zeiten. Und vom Christkind wünsch ich mir einen Dyson.

 

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2012)

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1 Kommentare

Ein bekanntes Problem

Hallo Mirjam,
das Problem kennen wir nur zu gut. Es ist ein Desaster, dass es einfach noch immer keinen Standard gibt für Staubsaugerbeutel, die die mögliche Auswahl auf ein paar wenige einschränken.
Wir hatten auch bereits vor, eine große Webseite mit deiner Datenbank zu erstellen, allerdings ist die schier unendliche Vielzahl an unterschiedlichen Beuteln einfach zu groß, so dass es sich finanziell einfach nicht tragen, geschweige denn in irgend einer kleinen Form rechnen würde. Traurig, aber wahr. Um dem Ärgernis zu entgehen bleibt leider wirklich nur der Griff zu einem beutel-losen Modell.

LG Sonja von der http://staubsauger-testportal.de Redaktion

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