Der Weihnachtsmann fährt auch nur Lift

03.12.2012 | 18:13 |  VERONIKA SCHMIDT (Die Presse)

Christkindl als Beruf, Berufung oder nur als Job?

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Willkommen im Advent! Voriges Jahr, kurz vor Weihnachten, passierte mir tatsächlich Folgendes: Ich betrat den Lift der „Presse“ – und der Weihnachtsmann stand schon drin! Ein beleibter Herr, in Rot und Weiß gewandet. Der weiße Bart war echt, nur die rosa Backerl waren mit Rouge gezeichnet. Er hatte nicht Rentiere im Schlepptau, sondern zwei rot gekleidete Gehilfen, die Paletten von Coca-Cola-Flascherl schleppten. Die Lifttür schließt sich. Eisige Stille macht sich breit.

Um in der Adventzeit der eisigen Stimmung keinen Vorschub zu leisten, schaute ich den Weihnachtsmann an und fragte: „War der Rauchfang leicht besetzt?“ Eigenartigerweise fand der rosabackige Herr diese Frage gar nicht lustig. „Wissen S', ich mach den Job schon sehr lang“, antwortete er. Da hört man solche Bemerkungen wohl des Öfteren.

Und obwohl ich keine Antwort auf meine Frage erhalten hatte, war ich doch um ein „Wissen“ reicher (immer gut für „Wissen“-Journalisten!): Der Weihnachtsmann macht nur seinen Job! Es ist kein Beruf, schon gar keine Berufung – nur ein Job.

Vielleicht sollte man in Zeiten wie diesen – in denen die Phrase „in Zeiten wie diesen“ inflationär verwendet wird – andenken, einen Job wie den des Weihnachtsmanns zu übernehmen? Ich müsste mir nur mehr die blonden Locken von Barockengerl-Länge auf „Haare bis zum A****“-Länge wachsen lassen und wäre für den Job des Christkinds schon fertig gestylt. 364 Urlaubstage im Jahr? Ein Stundenlohn in himmlischer Höhe? Oder arbeitet man dann schlicht und einfach für Gottes Lohn? Oder für das Lächeln der Kinder – das ja, wie junge Eltern gern betonen, mehr Lohn sein kann als alles Geld der Welt. Aber: Ob man damit seine Miete bezahlen kann? Ich überlege es mir noch.

 

E-Mails an: veronika.schmidt@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2012)

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