Es könnten immer unerwartet Gäste kommen

20.12.2012 | 18:14 |  FRIEDERIKE LEIBL (Die Presse)

Man schreibt ja nicht gerne was für die „Würscht“.

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Man schreibt ja nicht gerne was für die „Würscht“. Allein schon deshalb ist der angeblich bevorstehende heutige Untergang der Welt ein echtes Ärgernis. Denn wenn nichts ist, sollte man auch keine Worte darüber verlieren, und wenn schon etwas ist, dann haben Sie heute womöglich andere Sorgen. Oder gar keine mehr.

Der Versuch, sich aus dem Thema davonzustehlen, wird allerdings schon durch das neugierige Kind zunichte gemacht, das eine Fotomontage von einem Meteoriten gesehen hat, der auf die Erde donnert. Sein kleiner kluger Freund hat ihm dann erklärt, dass es uns auch so gehen könnte wie einst den geliebten Dinosauriern. Kann es sein, dass die ganze Welt auf einmal stirbt, fragt das Kind ein wenig bang und ich sage, nein, natürlich nicht. Das Kind wirkt nicht überzeugt. Die Dinosaurier waren auch ziemlich groß und ziemlich stark und dann ziemlich tot.

Es soll Menschen geben, die Vorräte horten, falls es zu einem Ernstfall kommen sollte, erzählt ein Kollege. Man fühlt sich ertappt, weil sich im Kasten daheim Konserven stapeln, die aus Jahren stammen, die keinen Zweier vorne haben. Diese Vorräte sind zwar eher aus Gründen der Verschüttung durch neueres Material entstanden als wegen der Angst vor, sagen wir einmal, einem Atomunfall. Aber sie dürfen bleiben. Man weiß ja nie. Es könnten unerwartet Gäste kommen, die große Lust auf Bohnensuppe haben.

Den einen beruhigt ein volles Lager, den anderen eines, wo noch viel hineinpasst. Bei den Kindern sieht man schon früh, wer ein Horter wird und wer nicht viele Gedanken an morgen verschwendet. Letzterer hat zum Beispiel beim Schokoadventkalender immer mehr als ein Türchen täglich geöffnet. Das ging so lange gut, bis auch der 24. vorab geplündert war. Der andere hat den bisherigen Inhalt aufgehoben. Für schlechte Tage. Fraglich, wer von beiden leichter durchs Leben geht.

 

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2012)

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