Wenn Sie jetzt noch kein Geschenk haben . . .

21.12.2012 | 18:41 |  MIRJAM MARITS (Die Presse)

Jetzt ist die Welt also doch nicht untergegangen, und das mit dem Geschenkekaufen hat sich doch nicht erübrigt.

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Jetzt ist die Welt also doch nicht untergegangen, und das mit dem Geschenkekaufen hat sich doch nicht erübrigt. Wie so oft in großen Krisen kann da eine kleine Weisheit weiterhelfen, nämlich: Das Wertvollste, das man verschenken kann, ist Zeit.

Nicht wahr? In meinem Freundeskreis finden wir das schon lange. Wir schenken einander fast immer Gutscheine für gemeinsame Zeit in diversen Etablissements. (Nicht, was Sie jetzt denken!) Menschen, die es nicht so gut mit uns meinen, sagen, wir seien zu träge, um nach realen Geschenken zu suchen. Optimistisch betrachtet wollen wir einfach ein paar nette Momente zusammen erleben. Theoretisch. Praktisch sieht es natürlich so aus, wie bei vergleichbaren Vereinbarungen: Sie werden so gut wie nie eingelöst. Mir schulden diverse Zeitverschenker u.a. ein Picknick, einen Ausflug nach Bratislava (Klassiker!), einen Musicalbesuch (das Stück läuft nicht mehr, wir warten auf die Wiederaufnahme). Ich selbst schulde (kleine Auswahl) einen Rodelausflug nach Innsbruck, einen Rodelausflug zum Semmering, eine Tea-Party im Haas & Haas, einen Thermentag mit den Männern, einen Mädelstag in der Therme ohne Männer. Überhaupt: Ab einem gewissen Alter glaubt man, andere Menschen in einem gewissen Alter ständig in die Therme schicken zu müssen. Die Tante etwa hat die Badetasche sicher schon gepackt, weil sie fürchten muss, weihnachtens wieder ins heiße Wasser beordert zu werden. (Diesmal nicht, ich schwöre!) Das ist wie bei den Krankenschwestern: Die kriegen immer nur Kaffee geschenkt. (Wieso eigentlich?)

So steht man vor der bizarren Situation, dass man den Freunden nichts – Verzeihung: Zeit – schenkt, flüchtigen Bekannten aber Verlegenheitsgeschenke überreicht. Oder, wie Freundin E. sagt: Nur wirklich guten Freunden kann man nichts schenken. Wenn Sie also heuer besonders wenig auspacken dürfen: Fühlen Sie sich geehrt. Frohe Weihnachten!

 

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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