Wenn die Queen Keyboard spielt

18.01.2013 | 18:34 |  MIRJAM MARITS (Die Presse)

Der viele Schnee hat sie kurzzeitig aus der Bahn geworfen, aber an sich sind die Umarmungsverschenker wieder unterwegs.

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Der viele Schnee hat sie kurzzeitig aus der Bahn geworfen, aber an sich sind die Umarmungsverschenker wieder unterwegs. Das sind jene Menschen, die auf der Mariahilfer Straße stehen und als Teil der „Free Hugs“-Bewegung fremde Passanten gratis (immerhin!) umarmen. Jetzt geht das natürlich für Menschen, denen schon in der U-Bahn übel wird, wenn die eigene Winterjacke an den Mänteln der umstehenden Fahrgäste anstreift, in Richtung Albtraumszenario. Was auch wissenschaftlich belegt ist. Pünktlich zum „Weltknuddeltag“ (ich schwöre, ich erfinde das alles nicht) am Montag verkündet ein Hirnforscher: Kuscheln mit Fremden wird „als emotionale Belästigung und Stress“ empfunden. Kuscheln mit Menschen, die man mag, wirkt sich positiv aus. Erstaunlicherweise kommt man im ganz unwissenschaftlichen Selbstversuch auf ähnliche Ergebnisse: Menschen, die man mag, berührt man gern. Leute die man nicht mag, nicht.

Jemand, der ziemlich viele Menschen, die ihm wahrscheinlich ziemlich egal sind, berühren muss, ist die Queen. Die hat nun die Liste der Geschenke veröffentlicht, die sie zum Thronjubiläum 2012 bekommen hat. Und da zeigt sich, dass so eine Königin die gleichen Sorgen plagen wie unsereinen: Man bekommt so wahnsinnig viel Unbrauchbares geschenkt. Ich klage auch gar nicht mehr über den Dachziegel (!), auf den ein verwackeltes Foto unserer Katze aufgedruckt ist. Oder das 1,2 Meter lange Keyboard mit den ca. 300 Spezialeffekten, mit dem ich locker einen ganzen Maturaball musikalisch versorgen könnte (wenn ich denn Klavier spielen könnte). Die kann man wenigstens wegräumen. Die Queen hat aber u. a. ein Lama, einen Elefanten und 78 Porträts von, erraten, der Queen bekommen. Selbst im riesigen Buckingham Palace wäre das ein Elizabeth-Overkill, würde sie alle 78 aufhängen. Das Lama und den Elefanten hat sie übrigens in befreundete Zoos ausgelagert. Braucht irgendwer ein Keyboard?

 

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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