Schönen Tag noch!

03.02.2013 | 18:35 |  ERICH KOCINA (Die Presse)

Wann hat es sich eigentlich eingebürgert, dass man beim Verlassen eines Geschäfts immer ein „Schönen Tag noch!“ nachgerufen bekommt?

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Wann hat es sich eigentlich eingebürgert, dass man beim Verlassen eines Geschäfts immer ein „Schönen Tag noch!“ nachgerufen bekommt? Früher hat ja auch „Auf Wiedersehen“ gereicht. Doch mittlerweile scheint die austrifizierte Version des angloamerikanischen „have a nice day“ zum Pflichtprogramm in Verkäuferausbildungsseminaren zu gehören. Rein inhaltlich mag das ja noch einen Sinn haben (Sinn „machen“ darf es ja nicht, böser Anglizismus!), wenn der Käufer mit fröhlichem Grinsen seinen Champagner am Tresen einpackt oder voller Vorfreude ein neues Computerspiel in die Tasche steckt. Doch spätestens beim Verlassen der Apotheke mit einer Doppelpackung Erkältungstabletten unterm Arm und einer laufenden Nase hat diese Verabschiedung eine eher zweifelhafte Komik. Abgesehen davon, was soll dieses „noch“ am Ende überhaupt bedeuten? Ist damit der verbleibende Resttag gemeint? Steht es für ein „außerdem“? Oder verbirgt sich dahinter die implizite Drohung, dass der nette Wunsch irgendwann nicht mehr gültig sein könnte? „So, diesmal keinen schönen Tag mehr, ätsch!“

Und noch etwas: Gab es Kundenstalking früher auch schon so penetrant? Man betritt das Schuhgeschäft – „Kann ich helfen?“ – „Danke, ich schau nur!“ Und von diesem Moment an hat man den Verkäufer immer im Abstand von eineinhalb Metern hinter sich. Schnell links andeuten – nach rechts gehen. Er ist immer noch da. Einen Schuh in die Hand nehmen – er schaut von hinten zu. Hinter dem Regal verstecken – er lächelt plötzlich um die Ecke. Hinsetzen, um einen Schuh zu probieren – schon pendelt ein Schuhlöffel vor dem Gesicht. Den eigenen Schuh wieder anziehen – der Verkäufer hilft beim Maschenbinden. Aufspringen, Richtung Ausgang hetzen – der Verkäufer läuft hinterher. Die Schiebetür geht auf, schnell raus in die Freiheit – der Verkäufer bremst scharf kurz vor der Türschwelle, wippt nach wie der Roadrunner. Nichts wie weg hier! Der Verkäufer ruft: „Schönen Tag noch!“

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)

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3 Kommentare

Eher...

...kommt diese Wendung aus dem deutschen Norden zu uns. Wie auch das unsägliche "tschüss". Und vieles andere ...

Spricht mir aus der Seele!


Vor 25 Jahren gabs in den USA T-Shirts mit der Aufschrift:

DONT TELL ME WHAT A DAY TO HAVE!

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