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'68 ff: Ästhetisch leider ein Desaster

09.04.2008 | 18:25 |  OLIVER PINK (Die Presse)

So sind die 68er schuld daran, dass Fünfzigjährige und Ältere heutzutage daherkommen wie die Teenager.

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Auf 3sat wurde diese Woche ein Club 2 aus 1978 (Moderation: Doktordoktor Günther Nenning) zum Zehn-Jahre-Jubiläum von 1968 wiederholt. Wir sahen einen aufgeblasenen Daniel Cohn-Benditin bunten Turnschuhen, abgewetzten Jeans, schmuddeligem Hemd, grauem Pulli und mit wirrem Haar, daneben, eher kleinlaut, Rudi Dutschke in einem aberwitzig rot-blau karierten Hemd, ebenfalls Jeans und Turnschuhe. Die Verdienste der 68er in allen Ehren, sie haben Muff und Mief der Nachkriegszeit weggefegt, sie waren ein Katalysator für die Liberalisierung der Gesellschaft, aber vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet war die Generation '68 ff eine Katastrophe.

Und so ist sie auch schuld daran, dass Fünfzigjährige und Ältere heutzutage daherkommen wie die Teenager. Im aktuellen „profil“ etwa können wir die Direktorin der Bawag Foundation bewundern: Oben im Schlabberlook, Leiberl, Blazer, eine Hose, die aussieht wie eine Trainingshose, aber wahrscheinlich keine ist, dazu „Converse“-Sneakers. Aber die Frau Außenministerin trägt doch auch immer solche Turnschuhe, werden Sie jetzt vielleicht einwenden. Stimmt. Nur passen sie bei ihr – in den allermeisten Fällen jedenfalls – doch zum Gesamtkunstwerk, zudem sind 1,90 Meter durchaus ein Argument gegen Schuhe mit Absätzen.

In seinem originellen Buch „Unser Kampf 1968“schreibt der Deutsche Götz Aly: „Die 68er-Generation war die erste, die es sich leisten konnte, ihre Jugendzeit beträchtlich auszudehnen. Sie ahnte noch nicht, dass Deutsche eines Tages als Gastarbeiter in Polen willkommen sein werden.“ Das Hauptproblem mit der Generation Turnschuh ist jedoch: Wenn sich die Alten so anziehen, wie sich die Jungen anziehen könnten, wie sollen die Jungen dann gegen die Alten rebellieren? Im Anzug? Im Kostüm? Im Dirndl?


oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2008)

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1 Kommentare
Gast: Achja?
18.04.2008 07:01
0 0

Beachtliches Buch?

Götz Aly schreibt schon seit geraumer Zeit keine beachtlichen Bücher mehr, sondern betreibt neokonservative Geschichtsklitterung. Er ist zwar nicht so weit gegangen wie Horst Mahler, aber dennoch sind auch seine Fähigkeiten als Wendehals das wahrlich Bemerkenswerte!