Man kann über den aktuellen Coco-Chanel-Film viel sagen. Dass er kitschig ist, zu harmlos, oder auch bloß, dass Audrey Tautou entzückend spielt. Aber dass der Film gefährlich wäre? Auf die Idee sind nur die Pariser Verkehrslinien gekommen: Sie verweigerten das Werbesujet Coco mit Zigarette und ersetzten es durch zwei andere Plakate. Ohne „Tschick“.
Die Aktion wurde zwar sogar vom Gesundheitsministerium kopfschüttelnd quittiert, aber ist so untypisch nicht: Auch „Die Presse am Sonntag“ bekam nach einem Interview, in dem sich eine Schauspielerin hinter Zigarettenqualm ablichten ließ, eine Beschwerde eines Lesers. Immer dieses Rauchen. Muss das sein? Legitime Frage, schwierige Antwort. Immerhin reden wir hier nicht über platte Werbung fürs – no na schädliche – Rauchen, sondern über persönliche Inszenierung, Lebensgefühl, etwas, das man nicht so leicht fassen oder vorschreiben kann. Oder will. Denn nicht jeder muss wie ein Sportler Vorbild sein (das heißt: zumindest war das bei denen mal so), wenngleich man sich oft wünschen würde, dass Prominente vorsichtiger wären: „Ein Wiener Bürgermeister sollte sich ohne G'spritzten in der Hand gar nicht ablichten lassen“, beschrieb Michael Häupl einer Zeitung einmal seinen Job als Wiener Weinpromoter. Lustig? Riskant? Harmlos? Das Interessante bei solchen Diskussionen ist ja die mangelnde Konsequenz, die einen wirr im Kopf macht: So fordert Freund K. Freiheit für Coco und die Kunst, findet aber alkoholschwangere Dean-Martin-Filme „problematisch“. Freundin B. wiederum schätzt drogenschicke Musiker, kann sich aber ernsthaft darüber aufregen, dass in „Harry Potter“-Büchern viel genascht, aber nie Zähne geputzt wird: „Weil Zähne sind wichtig, oder?“ Eh. Und die Verantwortlichen bei den Pariser Verkehrsbetrieben bloß ganz normale Leute. Eventuell.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2009)

Vorkoster Rainer Nowak kaut sich durchs Land
Verkoster Gerhard Hofer degustiert im Keller
Prognose-Quiz Was kommt 2012
Showtime Die Berlinale im Closeup
Pi-Pa-Po Wer hat die schönste Kehrseite?
Korrigiert Eine Nasenlänge voraus