Das Fitnessstudio im Park

Gesehen habe ich sie oft – aber nie wirklich beachtet: die Sportgeräte, die in den Parks der Stadt stehen.

Training im Rochuspark im dritten Bezirk in Wien.
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Training im Rochuspark im dritten Bezirk in Wien.
Training im Rochuspark im dritten Bezirk in Wien. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Irgendwie waren sie mir immer ein bisschen suspekt. Wer möchte hier, vor den Augen der Passanten, schon wenig elegant in den Crosstrainer treten oder das eigene Gewicht mit dem Latzug (man hätte ihn genauso gut Lastzug nennen können) in die Höhe hieven? Niemand, dachte ich. Und lag damit offenbar falsch.

Denn die Aktivparks, so nennt sie die Stadt offiziell, werden immer beliebter. Im Jahr 2008 wurde der erste in Wien eröffnet. Mittlerweile gibt es rund zwei Dutzend davon. Im Josef-Strauss-Park im siebten Bezirk etwa, im Auer-Welsbach-Park im 15. Bezirk oder auf der Lorettowiese in Floridsdorf. Ein Trend, der aus Asien kommt, später in den Mittelmeerraum überschwappte und schließlich hier landete. Ursprünglich waren die Fitnessanlagen für Senioren gedacht. Doch sie wurden auch von Jüngeren gern benutzt. Die Stadt reagierte und stellte sportlich anspruchsvollere Geräte auf. „Wir haben das Fitnessstudio in den Park verlagert“, sagt Stadtgartendirektor Rainer Weisgram. Es werde deshalb niemand seine Fitnessstudiokarte zurücklegen, aber man könne hier neue Nutzer ansprechen, ergänzte Erwin Fried von Free Gym, einer von mehreren Firmen, die solche Geräte vertreiben. Vielleicht lassen sich ja auch Skeptikerinnen wie ich überzeugen. Eine halbe Stunde lang wollte ich den Geräten eine Chance geben. Zögerlich trat ich auf den Crosstrainer. „Drücken Sie die Griffe langsam nach vorn und wieder zurück“, war zu lesen. Klingt einfach. War es auch. Später merkte ich, dass ich die Intensität des Trainings durch die Verlagerung des Körpergewichts steigern kann. Es begann, Spaß zu machen – und anstrengend zu werden. Vielleicht stimmt es ja, dass Bein- und Schultermuskulatur sowie die Ausdauerfähigkeit trainiert werden, wie es auf der Hinweistafel steht. An den Kraftgeräten musste ich feststellen, dass auch das Training mit eigenem Körpergewicht durchaus herausfordernd sein kann.

Aus den geplanten 30 Trainingsminuten wurden schlussendlich 50 – und aus ursprünglich verwunderten Passanten ab und zu tatsächlich Trainingskollegen.

Die Links zu den Trainingsorten:

>>> Die Aktivparks

>>> Die FreeGym-Parks

>>> Die Motorikparks

 

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2016)

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