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Einzelhaft bei Wasser und Brot

08.09.2009 | 18:21 |  OLIVER GRIMM (Die Presse)

Ich hätte nie gedacht, dass ich das je sagen würde, und schon gar nicht nach erst einer Woche in Brüssel.

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Was mir hier am meisten fehlt (abgesehen von jemandem, um den es hier nicht gehen soll), sind das Wiener Hochquellwasser und ein ordentliches Schwarzbrot. Nun werden stolze Steirer einwenden, dass es kein „Wiener Hochquellwasser“ gibt, das komme nämlich aus den Steirischen Alpen und werde ihnen von den hinterlistigen Wienern im Gegenzug dafür, U-Bahn-Steuer zahlen zu dürfen, abgezapft, von der die Steirer aber ebenso wenig etwas haben wie die Vorarlberger, denn trotz hartnäckigen Lobbyings wird die U4 ebenso wenig nach Nüziders verlängert wie die U6 nach Rottenmann.

Am Brüsseler Versorgungsproblem ändern solche Überlegungen nichts, denn aus der Wasserleitung kann man hier nicht trinken. Das heißt: Können tut man schon. Meint mein Vermieter. Aber der ist Brite, von beneidenswerter Gelassenheit und verbringt derzeit drei Wochen im peruanischen Amazonasgebiet, um im Dienst einer Umweltschutzorganisation Kaimanen die Mägen auszupumpen.

Klar, ich könnte mir eine jener Filterkannen kaufen, die auch Washingtoner Leitungswasser trinkbar machen. Könnte ich. Wenn ich Zeit hätte, zu einem Haushaltswarencenter im Brüsseler Speckgürtel zu fahren. Habe ich aber nicht. Und so trägt mich Audrey, mein kleines Schwarzes (mehr dazu nächste Woche), alle paar Tage zum Supermarkt, wo ich schamvoll Wasser in Plastikflaschen kaufe und mich dabei wie eine richtige Umweltdrecksau fühle. „Brot“ gibt es dort übrigens auch. Zumindest steht auf den grauen Briketts in der Backwarenabteilung „Brod“. Die französische Aufschrift „Pain“ trifft den tristen Kern der Sache besser. Aber englisch ausgesprochen.


oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2009)

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1 Kommentare
Gast: Jatekok
10.09.2009 00:39
0 0

zum Glück müssen Sie nicht nach Afrika

Wenn Brüssel Sie schon so dermassen schreckt, dann können Sie froh sein, dass Sie nicht in die Mongolei ziehen müssen! sie werden aber sicher nach ein paar Wochen die richtige Bäckerei finden, die nicht allzu schleches Brot verkauft, und was das Wasser betrifft, so weiss ich nicht, ob Wasserplastikflaschen die Lösung sind. Ich kann Sie beruhigen, ich habe 20 Jahre lang Brüsseler Wasser getrunken und habe es bestens überlebt. Und übrigens, die Croissants in Wien sind auch eher zum kotzen, aber jedes Land hat halt so seine Tücken.