Was mir hier am meisten fehlt (abgesehen von jemandem, um den es hier nicht gehen soll), sind das Wiener Hochquellwasser und ein ordentliches Schwarzbrot. Nun werden stolze Steirer einwenden, dass es kein „Wiener Hochquellwasser“ gibt, das komme nämlich aus den Steirischen Alpen und werde ihnen von den hinterlistigen Wienern im Gegenzug dafür, U-Bahn-Steuer zahlen zu dürfen, abgezapft, von der die Steirer aber ebenso wenig etwas haben wie die Vorarlberger, denn trotz hartnäckigen Lobbyings wird die U4 ebenso wenig nach Nüziders verlängert wie die U6 nach Rottenmann.
Am Brüsseler Versorgungsproblem ändern solche Überlegungen nichts, denn aus der Wasserleitung kann man hier nicht trinken. Das heißt: Können tut man schon. Meint mein Vermieter. Aber der ist Brite, von beneidenswerter Gelassenheit und verbringt derzeit drei Wochen im peruanischen Amazonasgebiet, um im Dienst einer Umweltschutzorganisation Kaimanen die Mägen auszupumpen.
Klar, ich könnte mir eine jener Filterkannen kaufen, die auch Washingtoner Leitungswasser trinkbar machen. Könnte ich. Wenn ich Zeit hätte, zu einem Haushaltswarencenter im Brüsseler Speckgürtel zu fahren. Habe ich aber nicht. Und so trägt mich Audrey, mein kleines Schwarzes (mehr dazu nächste Woche), alle paar Tage zum Supermarkt, wo ich schamvoll Wasser in Plastikflaschen kaufe und mich dabei wie eine richtige Umweltdrecksau fühle. „Brot“ gibt es dort übrigens auch. Zumindest steht auf den grauen Briketts in der Backwarenabteilung „Brod“. Die französische Aufschrift „Pain“ trifft den tristen Kern der Sache besser. Aber englisch ausgesprochen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2009)
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