Mein Samstag

Salzburg, aber die Stadt

Ich habe Ihnen noch gar nicht erzählt, dass wir auf Urlaub waren. Da das Kind die Freizeitbeschäftigung „einen Skikurs besuchen“ leider eher negativ abgespeichert hat, sind wir diesmal nach, wie es das Kind formuliert, „Salzburg, aber die Stadt“ gereist.

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THEMENBILD: STADT SALZBURG/GETREIDEGASSE – APA/HELMUT FOHRINGER

Und so ein azyklisches Reisen kann man nur empfehlen, zumal man sich zu dieser Jahreszeit nicht einmal beim Mozart-Geburtshaus anstellen muss und Kinder ohnehin ganz andere Schwerpunkte im Städtetourismus setzen. So kann es passieren, dass man bei Nieselregen für die Überquerung einer kleinen Brücke über die Salzach an die 40 Minuten braucht, da sich das Kind mit fast bizarrer Ausdauer in das Studium der Liebesschlösser (also der Vorhängeschlösser, die von Verliebten auf der Brücke angebracht wurden) vertieft.

Wenn wir nicht gerade auf dem Markartsteg herumgestanden sind, hat das Kind sich mit dem Stadtplan beschäftigt, und das mitunter genauer als mit den realen Sehenswürdigkeiten. Interessiert hat es sich dabei vor allem für die darauf eingezeichneten Symbole. Also zum Beispiel das P, mit dem sämtliche Parkgaragen dargestellt sind, deren genaue Lage als zugreisender Besucher natürlich irrsinnig relevant ist.

Wir waren aber bitte auch in einigen Museen. Da das Kind in den Ferien noch früher als sehr früh aufzustehen pflegt, haben wir etwa das Haus der Natur schon vor dessen offizieller Öffnungszeit erreicht. Haben Sie schon einmal ein Museum als Allererster betreten? Ich auch nicht. Es fühlt sich so streberhaft an, dass man glaubt, der Dame an der Kassa eine Entschuldigung für das unverschämt frühe Erscheinen schuldig zu sein („Normalerweise sind wir nicht so früh, ehrlich“), die das selbstverständlich maßlos interessiert.

Dass wir das Museum einige Zeit fast für uns hatten, war dann wiederum sehr toll. Auch wenn man ob des frühen Aufstehens halt auch schnell sehr müde wird. Das Kind natürlich nicht. „Ich sehe wirklich fertig aus“, sage ich, als ich mich in einem WC in den Spiegel schaue. „Stimmt“, sagt da das stets charmante Kind. „Vor allem deine Haare.“

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2017)

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