Mit Sonnenmilch macht man keinen großen Braunen

Wenn der EuGH erst entdeckt, dass Skandinavier Sonnenöl für extra helles Bier halten könnten.

Symbolbild: Milchtransport in Indien
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Symbolbild: Milchtransport in Indien
Symbolbild: Milchtransport in Indien – (c) APA/AFP/SHAMMI MEHRA

Das geht runter wie Öl, denkt man. Und stellt das geleerte Stamperl Olivenöl doch ein wenig angeekelt zur Seite. Kunststück, hat doch die Redewendung nichts mit Salatmarinade oder Schnitzelfett zu tun. Sondern mit Bier, das etwa in Dänemark und Norwegen Øl heißt – und Schwedenurlaubern als Öl ein assoziatives Erweckungserlebnis beschert. (Und die lauwarme Cervisia aus „Asterix bei den Briten“ nennt man heute Ale, wenn wir schon dabei sind.) Verwunderlich, dass der EuGH bisher noch nicht von enttäuschten Verbrauchern eingeschaltet wurde, die sich versehentlich ein kühles Blondes über den Salat geleert haben. Wie ein Prisma hat das Bierglas zuvor das Licht in die Spektralfarben aufgefächert – so ein bunter Salat hätte das werden können. Doch am Ende landete nur bitterer Schaum auf dem Radicchio. So züchtet man sich also eine Allergie auf gesunde Ernährung heran. Ähnlich wie damals, als man Sonnenmilch in den Kaffee goss – und sich wunderte, dass aus dem Mokka kein kleiner Brauner wurde. Wie groß muss erst die Enttäuschung skandinavischer Besucher sein, die vom Sonnenöl nippen, weil sie dahinter ein extra helles Bier vermuten. Da hat der mündige Bürger wohl etwas in die falsche Kehle bekommen.

Vermutlich könnte man stundenlang darüber nachdenken, warum man zwar für mündig genug gehalten wird, bei einer Wahl eine Entscheidung zu treffen. Aber offenbar für zu blöd, um im Supermarkt zu erkennen, dass Sojamilch nicht armen Sojas (vermutlich flauschige Wiederkäuer aus dem Himalaya) aus den Eutern gepresst wird. Apropos, mündig hat nichts mit Mund zu tun. Es leitet sich vom althochdeutschen Munt ab, was soviel bedeutet wie Schutz oder Vormundschaft. Das wiederum kommt vom urgermanischen mundo, das für Hand steht. Hand aufs Herz, hätten Sie das gewusst? Wenn nicht, dürfen Sie mich gerne auf ein Öl einladen.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2017)

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