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Ein Stich und eine wunderliche Tenniskarriere

Während Tennis seit dieser Woche dank Wimbledon wieder einmal die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich zieht, ist meine Tenniskarriere bisher völlig unbeachtet geblieben.

Wenn Tennis auf Bälle beschränkt bleibt.
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Wenn Tennis auf Bälle beschränkt bleibt.
Wenn Tennis auf Bälle beschränkt bleibt. – REUTERS

Das ist insofern verwunderlich, als sie ziemlich steil verlaufen ist und ein Ende noch gar nicht absehbar ist; andererseits handelt es sich, und das erklärt dann doch einiges, nicht eigentlich um eine Tenniskarriere, sondern eher um eine Tennisarmkarriere. Denn Tennis spiele ich gar nicht.

Begonnen hat es voriges Jahr mit einem Stich in meinen linken Unterarm. Bis heute ist nicht ganz klar, ob nur ein zeitlicher oder auch ein kausaler Zusammenhang besteht. Jedenfalls war es eine Blutabnahme zur Gesundenuntersuchung. Als ich bei der Befundbesprechung sagte, dass ich neuerdings Schmerzen im Ellbogen hatte, ohne den besonders beansprucht zu haben, stellte der Arzt fest: Da ist nichts. Gemeint war: nichts zu sehen, was ich im Übrigen selbst schon gesehen hatte.

Bis zur richtigen Diagnose war es ein langer Weg, über Betriebsärztin, Hausarzt und Röntgen. Ein Orthopäde stellte dann eine Epicondylitis fest, zu Deutsch Tennisarm oder auch Tennisellbogen. Zumindest vorübergehende Abhilfe gibt es durch Injektion von Kortison, durch Schwachröntgenbestrahlung oder Physiotherapie. Und durch konsequente Bewegungsübungen.

Natürlich wollte ich wissen, woher das alles kam: Während ich in der Blutspendeorganisation meines Vertrauens höre, es gebe seltene, unglückliche und unvermeidbare Verletzungen durch den Einstich, die zu Schmerzen führen, sagt der Orthopäde: Unmöglich, dass der Stich in die Beuge außen schmerze. Einerlei: Wenn überhaupt, dann wäre dem ersten Arzt nur vorzuwerfen, eine rasche Abklärung verabsäumt zu haben.

Meine Tenniskarriere aber verdient ihre Bezeichnung gleich wenig wie der Tennisarm die seine: Tennisspieler haben den seltener als der Durchschnitt der Bevölkerung, sagt der Orthopäde. Bei mir beschränkt sich Tennis jedenfalls auf einen Ball für die Selbstmassage.

E-Mails an: benedikt.kommenda@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2017)

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