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Fan zu sein, muss man sich verdienen

Echte Fans von falschen zu unterscheiden ist nicht so einfach. Obwohl, eigentlich doch.

Was macht eigentlich einen treuen Fan aus? Gar nicht so leicht zu sagen. Die Hingabe für und der Kult um den Star können es nicht sein. Das lässt sich fast unmöglich messen. Wäre auch absurd, ist ja schließlich kein Wettbewerb. Die Dauer des Fan-Daseins ist auch kein wirkliches Kriterium. Das hängt von zu vielen Faktoren ab. Hauptsächlich vom Alter des Fans natürlich. Wenn man es auf ein Merkmal herunterbrechen müsste, wäre die entscheidende Frage wohl jene, ob man auch in schlechteren Tagen zu seinem Star hielt. Ob man also Durststrecken „gemeinsam“ durchgestanden hat. Denn welchen Wert hat schon ein Fan, der immer nur dann zur Stelle ist und in der vordersten Reihe mitjubelt, wenn ein Musiker, Schauspieler oder Sportler sehr erfolgreich ist?

Aktuell lässt sich das besonders deutlich bei Roger Federer beobachten, der gerade seinen achten Wimbledon-Triumph anpeilt. Seit seinem Sieg bei den Australian Open im Jänner ist er wieder in aller Munde und unantastbar. Kein Gerede mehr davon, ob nicht doch Rafael Nadal der beste Tennisspieler der Geschichte ist. Oder ob er bei den Grand-Slam-Titeln bald von Novak Djoković überholt wird. Vergessen sind die glücklosen Jahre zwischen 2013 und 2016, als er immer wieder früh ausschied und bei großen Turnieren zumeist an Djoković scheiterte.

Für langjährige treue Begleiter sind solche Schönwetter-Fans nicht leicht zu ertragen. Leute, die nur von Sieg zu Sieg aus ihren Löchern gekrochen kommen. Oder sich als Nicolas-Cage-Fans bezeichnen, aber nur „The Rock“, „Con Air“ und „Face/Off“ gesehen haben. Oder von ihrer „Lieblingsband“ lediglich die bekanntesten zwei, drei Hits kennen. Können einem mit ihrer Heuschreckengesinnung echt gestohlen bleiben. Entwerten den Begriff Fan, ohne je einer gewesen zu sein.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2017)

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