Mein Dienstag

Yes, Hello!

Manchmal, aus einer Laune heraus, begrüße ich die Eltern am Telefon mit „Hello, Mother!“ oder „Hello, Father!“, und alle beide finden das jedes Mal extrem lustig.

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(c) imago/Westend61

„Yeees, Helllooo“, antworten sie dann feierlich, laut und übermäßig prononciert, und das wiederum finde ich extrem lustig. Aber dann hört es sich mit der Fremdsprache auch schon auf, und wir setzen das Gespräch gewohnterweise in unserem noblen turkodeutschen Kauderwelsch fort. In der Emigration und mit der deutschen Sprache sind die Englischkenntnisse der Eltern eingeschlafen, so bleibt es zwischen uns bei einem freundlichen Yes und Hello, die meiste Zeit zumindest, denn die Anglisierung macht auch vor Migrantenfamilien nicht halt. Zum Beispiel schickt da einem die Mama ein Bild aufs Handy, von den hübschen Rosen im Garten, es ist das Ergebnis vieler Düngungs- und Grabungsprozesse, daher will man natürlich mit Anerkennung um sich werfen, und das macht man am schnellsten mit einem „Wow, toll!“. Nur ist das „Wow“ bei mir ein „Vauu“, eine von der Mama erfundene und internalisierte Schreibweise. Ein „Bai Bai“ ist mir auch schon untergekommen, so auch ein „Sitarbaks“, was mittlerweile im Türkischen eine recht gängige Schreibweise ist. In Istanbul, wo diese Kaffeekette unheimliche Popularität genießt, amüsieren sich die Jungen gern über die Älteren, die im Sitarbaks einen Pumpkin Spice Latte bestellen oder verzweifelt zu bestellen versuchen.

So wandern die Wörter in den Sprachen hin und her. Aufgrund der jüngeren Emigrationsgeschichte hat ja eine Reihe von deutschen Bezeichnungen Eingang in das Türkische gefunden, es sind oft Begriffe, mit denen die ehemaligen Gastarbeiter hantieren mussten, wie Dübel oder Tifdruk. Oder es ist etwas Spezifisches wie Hinterlant, Otoban und ?alter oder etwas extrem Spezifisches wie Laytmotif.

Neben all diesen Entlehnungen gibt es zwei Wörter, die mich immer daran erinnern, wie mangelhaft wir als Gesellschaft die vergangenen 50 Jahre Zusammenleben (Auseinanderleben? Nebeneinanderleben?) aufgearbeitet haben: Kinderhaym und Haymatlos.

E-Mails an: duygu.oezkan@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2017)

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