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Wenn uns unter Wasser etwas über den Kopf wächst

Die Schlingpflanzen der Alten Donau oder: Wie viel Zeit braucht ein „Makrophytenmanagement“?

Tonnenweise ausgefischt: Schlingpflanzenhügel, Alte Donau.
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Tonnenweise ausgefischt: Schlingpflanzenhügel, Alte Donau.
Tonnenweise ausgefischt: Schlingpflanzenhügel, Alte Donau.


Den transdanubischen Bezirken sagt man ja, die Topografie betreffend, im Allgemeinen nach, sie seien vor allem eines: flach. Abgesehen von der allernördlichsten Randlage, vom Bisamberg bekrönt, darf denn auch jenseits der Donau tatsächlich jeder Maulwurfshügel als nennenswerte Erhebung gelten. Umso auffälliger, was sich seit Beginn der wärmeren Jahreszeit und bis in jüngste Sommertage rund um die Alte Donau begibt: Da wachsen an den Ufern Hügel quasi über Nacht und verschwinden genauso schnell wieder, wie sie gewachsen, nur um alsbald erneut emporzusteigen, zum Teil meterhoch, was unter den sonst ortsüblichen Gegebenheiten ziemlich – wie soll man sagen? – herausragend ist.

Allerdings, es handelt sich keineswegs um ein geologisch zu erklärendes Phänomen, vielmehr um ein botanisches, ein aquabotanisches sozusagen. Streng substanziell setzen sich die Hügel nämlich aus Massen jener Schlingpflanzen, recte Makrophyten, zusammen, die davor von Mähbooten ihres Unterwasserhalts beraubt und/oder am Ufer tonnenweise ausgefischt wurden, ein Vorgang, seit Jahren ebenso wohlbekannt wie die Ratlosigkeit, mit der das hiesige Magistrat dem wässrigen Wildwuchs in der Alten Donau zu begegnen sucht. Durften lange Zeit warme Winter als Erklärungsausflucht fürs allzu üppige Unterwassergedeihen dienen, so kann von warmem Winter heuer keine Rede sein, und dennoch sprießt's und wuchert's, dass es weder für Schwimmer noch für Bootfahrer eine Freude ist.

Seit Anfang der 2000er ist ein „Makrophythenmanagement“ seitens der Stadt zugange, und schon 2006 meinte man, eine „positive Zwischenbilanz“ ziehen zu dürfen. Elf Jahre später ist von einschlägigen Bilanzen keine Rede mehr. Was bleibt? Einzig die beklagenswerte Erkenntnis, dass unserer Stadtverwaltung selbst unter Wasser noch etwas über den Kopf wachsen kann.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2017)

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