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Die Unschuldsvermutung im Wienerwald

Cheater, zu Deutsch Betrüger: Das rief mir neulich ein Radler hinterher.

Hier beginnt der Shared Trail vom Dreihufeisenberg hinunter zum Laaber Tor
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Hier beginnt der Shared Trail vom Dreihufeisenberg hinunter zum Laaber Tor
Hier beginnt der Shared Trail vom Dreihufeisenberg hinunter zum Laaber Tor – (c) Benedikt Kommenda

Cheater, zu Deutsch Betrüger: Das rief mir neulich ein Radler hinterher, nachdem ich ihn auf der Mountainbike-Runde um den Lainzer Tiergarten knapp nach dem Gütenbachtor bergauf überholt hatte. Ich war mit einem E-Bike unterwegs, und das war wohl auch der Grund für die flagrante Verletzung der Unschuldsvermutung mitten im Wienerwald.

Zum Betrügen gehören freilich immer zwei: Täter und Opfer. Der nette Radlerkollege war aber gleich der Erste, den ich nicht getäuscht habe – ganz abgesehen davon, dass ich das nicht im Entferntesten beabsichtigt oder, mich damit abfindend, ernsthaft für möglich gehalten hätte (so weit die Definition von Vorsatz im Strafgesetzbuch). Es wäre auch ein „absolut untauglicher Versuch“, mit dem vernehmlich sirrenden Motor am Tretlager und dem Ziegel von Batterie am Unterrohr vorgeben zu wollen, nur mit Muskelkraft unterwegs zu sein.

Genug des Strafrechts. Es gibt viele Gründe, derentwegen man zur Abwechslung ein Stromrad bevorzugen mag. Zum Beispiel, um mit einem positiven Motiv zu beginnen, weil es einfach Spaß macht, die Grenzen des Bergauffahrens ein gutes Stück zu erweitern. Oder, weniger positiv: weil man nicht genug Zeit hat, die Anstrengung auszukosten; oder weil man, wie ein treuer Besucher des Sport-Clubs mir erzählt hat, nach einem Skiunfall ein Knie schonend mobilisieren will.

Einen speziellen Nutzen hat die E-Hilfe auf der Lainzer-Tiergarten-Strecke: Die ist nicht nur dadurch verbessert worden, dass der ewige Schlamm nahe dem Gütenbachtor ziemlich trockengelegt wurde (ein letztes Wasserloch: südlich der Überquerung der A1); vielmehr gibt es beim Laaber Tor am Dreihufeisenberg einen „Shared Trail“, eine technisch reizvolle Passage, die ein Stück faden Forstweg abschneidet. Fährt man die Runde im Uhrzeigersinn – die günstigere Richtung –, muss man den steilen Trail bergauf nehmen (Vorsicht auf Wanderer und Gegenverkehr!), was ohne Motor unmöglich ist. Gedacht ist der Trail dazu aber nicht. Das gestehe ich.

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E-Mails an: benedikt.kommenda@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2017)

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