Mein Freitag

Wie man ein Paket nicht empfängt

Sagen Sie nicht, so etwas tut man nicht, denn es macht sicher jeder ab und zu, der Papiercontainer verrät alles.

Paketzustellung
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Paketzustellung
Paketzustellung – (c) Clemens Fabry

Natürlich will man nicht, dass klassische Geschäfte aussterben und so weiter. Aber dann gibt es etwas Bestimmtes eben online, es ist sehr praktisch, und schon hat man bestellt (wobei das „mit einem Klick“ ein Scherz sein muss). Es könnte alles so einfach sein.

Da aber zu den Zeiten, in denen Pakete zugestellt werden, selten jemand zu Hause ist, ist es schon einmal erfreulich, wenn die Benachrichtigung gelb ist und im Postkasten liegt. Denn die Selbstabholstationen in den Postämtern funktionieren im Vergleich zu früher tadellos. Die Erinnerung an den bedrückten Angestellten, der, nachdem man eine halbe Stunde in der Schlange gewartet hat, nach einem Blick auf den Schein tief geseufzt hat, im Lager verschwunden und nie mehr wiedergekommen ist, ist auch nach Jahren noch recht frisch.

Nun gibt es aber auch alternative Zusteller, die ihre Zettel irgendwo an die Wand oder am besten gleich an die Haustür picken. Wenn die liebe Nachbarin, die völlig uneigennützig die Pakete der Umgebung annimmt, stapelt und verteilt, nicht da ist, muss das Bestellte, das man eh schon bereut, in irgendeinem obskuren Geschäft in einer Reichweite von mehreren Kilometern abgeholt werden. Eine gute Gelegenheit, die Gegend abseits der ausgetretenen Pfade kennenzulernen. Leider ist das Geschäft „heute geschlossen“, aber schon ein paar Tage später klappt es.

Ein netter Mensch, der sonst „Fidget Spinner“ verkauft, übergibt mir ein leichtes, aber riesiges Paket. Hier war ein Verpackungskünstler beteiligt. Nein, ich bin nicht mit dem Auto da, es gibt in diesem Bezirk nicht einen freien Parkplatz, nie. Darf ich auspacken und den Karton bitte da lassen? Ach so, das wollen alle. Also umklammert man die unförmige Kiste, stolpert nach Hause und denkt daran, dass man Pakete und Wassermelonen nicht mit Anmut tragen kann, und es ist alles fast schon wieder lustig.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2017)

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