Mein Samstag

Das Hefte-Desaster

Das noch recht junge Schuljahr hat mir bereits eine ganz wichtige Erkenntnis gebracht: Es gibt Bereiche, da entwickelst du dich im Lauf deines Lebens so was von überhaupt nicht weiter.

Beim Einbinden von Schulbüchern zum Beispiel. (Oder Folieren, oder wie man es nennt, wenn man Bücher und Hefte mit einer selbstklebenden durchsichtigen Folie beklebt.) Da haben sich meine Fähigkeiten zwischen meiner Schulzeit und jener des Kindes in keiner Weise entwickelt. Die beklebten Bücher schauen immer noch zum Davonlaufen aus: Luftblasen hier, verwurschtelte Stellen dort, die unsauber verklebten Kanten erwähne ich gar nicht erst. Auch Google hilft nur bedingt. Zwar bekommt man 48.300 Treffer, wenn man nach „Schulbücher einbinden“ sucht, in den Anleitungen werden aber Hilfsmittel wie Falzbein (was ist das?), Buchrakel (und das?) und Falzgewebe (nie gehört!) empfohlen. Auf Facebook bekomme ich für das Foto des ersten kümmerlich folierten Hefts immerhin Mitleid, ganz so, als läge ich mit einer späten Sommergrippe darnieder. „Ich mach das schon lang nicht mehr“, schreibt eine Mutter. „Ich war damit hoffnungslos überfordert“, eine andere. „Wieso kaufst du nicht einfach Umschläge?“, fragt eine Freundin.

Guter Punkt. Tags darauf suche ich also ein Papiergeschäft auf. Mit der Vorstellung, dass man so wie früher zwischen drei Farben wählen muss. Aber wo kämen wir da hin. Das Plastikheftumschlag-Verkaufssystem hat sich eindeutig an jenem für Staubsaugerbeutel orientiert, soll heißen: Es wird den Kunden dank absurder Bezeichnungen besonders schwer gemacht. Im Heftebereich sind es vierstellige Zahlenkombinationen wie 7265. (Die Bezeichnungen A4 oder A3 wurden wohl irgendwann, da zu kundenfreundlich, abgeschafft.) Ich muss wohl nicht erwähnen, dass die von mir (eher willkürlich) ausgesuchten Modelle überhaupt nicht passen. Natürlich könnten Sie jetzt fragen, wieso ich nicht einfach ein paar Bücher zum Ausprobieren mitgenommen habe. Aber seien Sie jetzt bitte nicht so kleinlich. Genießen Sie, so Sie im Westen oder Süden leben, lieber noch das letzte Ferienwochenende!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2017)

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