Liebes Christkind!
Ich wünsche mir, dass ich die ULF-Niederflurstraßenbahngarnituren nach Weihnachten endlich umtauschen kann. Dort ist es nämlich so eng, dass man eine Zeitung wie diese kaum lesen kann.
Ich wünsche mir, dass Bob Dylan künftig keine Weihnachts-CDs mehr aufnimmt. Denn solches ist stets ein untrügliches Zeichen dafür, dass man als Künstler in Pension gehen sollte. (Das gilt selbstverständlich nicht für Kolumnisten jenseits der dreißig, die Briefe ans Christkind schreiben.)
Ich wünsche mir, dass für Whams „Last Christmas“ endlich ein Platz im Museum gefunden wird. Andererseits, ja, ja, da hast Du schon recht, es gefällt halt vielen, warum auch immer, und angesichts des Fests der Liebe und Versöhnung soll man da nicht so sein, außerdem spielt's das ohnehin nur zu Weihnachten, das wird man dann schon aushalten. Okay, ich gebe mich geschlagen.
Ich wünsche mir dafür aber, dass rechtzeitig vor der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika Fernseher mit Vuvuzela-Tonunterdrückungsfunktion auf den Markt kommen.
Ich wünsche mir, dass Mirna Jukic wieder einmal in der Redaktion vorbeischaut. Sie war nämlich gerade da. Und nicht nur der an Lebenserfahrung reiche Kollege vis-à-vis von mir war sehr angetan.
Ich wünsche dem armen Audimax Stunden der Ruhe und Besinnung.
Ich wünsche Barack Obama, dass er die ganze Welt heilt und dafür nächstes Jahr den Medizin-Nobelpreis bekommt.
Meinem Chefredakteur, dass er die Politiker eines Tages vielleicht doch noch lieb gewinnt.
Und Ihnen allen: Frohe Weihnachten!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2009)

Yigg
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