Wenn etwas einen Nasenrammel kostet

Noch etwas Geld flüssig zu haben ist nicht bei jeder Zahlungseinheit ein schöner Gedanke.

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Symbolbild: Dollarnoten
Symbolbild: Dollarnoten – (c) Bloomberg (Andrew Harrer)

Alle reden über Bitcoin. Aber können Sie auf Anhieb sagen, wie viel Bitcoin ein Viertelkilo Butter kostet? Wenn es nach Angebot und Nachfrage geht, vermutlich mehr als in den frühen 1980er-Jahren, als die landwirtschaftliche Überproduktion Begriffe wie Butterberg und Milchsee hervorbrachte. Nur dass es damals halt noch keine Kryptowährung gab. Dafür kannte man andere Währungseinheiten, die im digitalen Zeitalter aber offenbar an Attraktivität eingebüßt haben. Den Nasenrammel, zum Beispiel. Dieser Dialektbegriff für getrocknetes Nasensekret war vor der Einführung des Euro noch ein beliebtes Zahlungsmittel. Und stabil war er auch noch, immerhin kostete – Inflation hin oder her – über Jahrzehnte hinweg alles immer nur einen Nasenrammel. Zwei Nasenrammel fünfzig oder dergleichen tauchten im Gespräch mit dem Verkaufspersonal nie als Preisauskunft auf. Dafür bekam man aber auch nie Wechselgeld. Detail am Rande: Interessanterweise verliert der Gedanke, Geld flüssig zu haben, bei dieser Zahlungseinheit massiv an Attraktivität. Da können Sie noch so viel Rotz und Wasser heulen. Und – Spoiler, einmal wird es noch grauslich – die alte indianische Weisheit, dass man Geld nicht essen kann, bewahrheitet sich hier auch nicht. Wenn Sie mir nicht glauben, googlen Sie doch einmal den Begriff Mukophagie.

Vermutlich leitet sich von diesem Zahlungsmittel für besonders preiswerte Dinge ja auch der Spruch ab, dass man einen guten Riecher für Geld hat. Oder auch, dass Geld nicht stinkt. Verständlich, dass man da beim Nasenbohren gelegentlich in eine regelrechte Goldgräberstimmung verfällt. Aber, um dieses Missverständnis gleich zu beseitigen: „Ich habe die Nase voll“ bedeutet mitnichten, dass man reich ist. Falls Ihnen das jemand erzählt haben sollte, hat er sie vermutlich einfach nur an der Nase herumgeführt.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2017)

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