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Mach dir keine Sorgen, Mama

29.07.2010 | 18:16 |  FRIEDERIKE LEIBL (Die Presse)

Kaum eine Schwangere will eine von diesen „Hubschrauber-Müttern“ werden.

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Man nennt sie „Helicopter Moms“, jene Mütter, die über ihren Kindern zu kreisen scheinen, nach größtmöglicher Sicherheit und Planbarkeit trachten und Kindern die Luft zum Atmen nehmen. Stets wachsam, um Gefahren abzuwehren: die Wespen in der Sandkiste, den spitzen Nagel, der aus einer Holzplanke ragt, die ungesicherte Steckdose. Ein Ausflug zum Spielplatz wird zur Mutprobe, überall könnten sich die Kleinen weh tun. Kaum eine Schwangere will eine dieser Hubschrauber-Mütter werden, und doch kann sich kaum eine neue Mutter völlig von dem Zwang lösen, für alles verantwortlich zu sein, für alles zu sorgen, die Welt in eine sichere, schöne, heitere zu verwandeln, in der alles gut wird, und das immer oder zumindest, bitte, für das eigene Kind.

Sie müssen loslassen, raten der Kinderarzt, der Erziehungsexperte, die Eltern, die das hingekriegt haben. Zuerst steht man nur noch einen Meter hinter dem kletternden Kind (falls es doch eine Sprosse verfehlt), dann sieht man gar nicht mehr hin. Schließlich geht es Schlag auf Schlag: alleine in die Schule gehen, alleine daheimbleiben, den Mopedführerschein machen, weggehen bis in der Früh. Baba, Mama, und mach dir nicht immer so viele Sorgen! Man lässt wohl los, aber im Herzen, gut versteckt, ist immer noch die bange Sorge, ob alles gut geht. Ginge es bloß noch um Wespen und spitze Nägel! Nun denkt man an Autounfälle und an das Riesenevent, zu dem die großen, erwachsenen Kinder unbedingt hingehen müssen. Sind ja auch alle anderen dort. Wird schon schiefgehen. Diesmal ist es schiefgegangen. Es ist eine Katastrophe passiert: 21 junge Menschen sind tot, niedergetrampelt, erdrückt. Hätte einer bloß vorher auf die warnenden Stimmen gehört. Und könnte man seine Kinder bloß ein Leben lang wirklich beschützen.


friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2010)

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