Das ist der Weg, wie das Keks zerbröselt

19.12.2010 | 18:09 |  ERICH KOCINA (Die Presse)

Die Geschichte des Kekses ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Zunächst einmal jenes, dass es sich bei ihm sowohl um ein Männchen als auch um ein Sächchen (sagt man so zu geschlechtsneutralen Dingen?) handeln kann. So ist er in Deutschland der Keks, während es in Österreich das Keks heißt. Abgesehen davon versteht man in den beiden Ländern völlig unterschiedliche Dinge darunter – im Norden ist damit das zackige, mürbe Gebäckstück à la Butterkeks gemeint, während hierzulande jegliche Form von Gebäck darunter verstanden wird. Vanillekipferln & Co. bezeichnet der Germane hingegen als Plätzchen, was sich aus dem Diminutiv des aus dem Lateinischen stammenden placenta (Kuchen) ableitet.

Am Keks offenbart sich aber auch eine weitere österreichische Eigenheit, nämlich die überproportionale Verwendung des Buchstaben x in der gesprochenen Sprache. Was beim Kex ja wenig Konsequenzen hat, bei Wörtern mit einer ch-s-Kombination jedoch zu Missverständnissen führen kann. So kann es durchaus passieren, dass die Zahl sechs in der Aussprache wie der Begriff für geschlechtliche Handlungen klingt. Ein Klassiker, der unter Schenkelklopfern schon einige Beliebtheit erreicht hat. Klassisch ist auch die lachse (haha) Aussprache des beliebten Speisefisches oder die Verwechslung von Deutschlands Wildtier des Jahres 2010 (ja, das gibt es wirklich) mit dem ebenso deutschen Aktienindex DAX. (Das Wildtier 2011 ist übrigens der Luchs, was wieder lustige Verwechslungen mit der Beleuchtungsstärke garantiert.)

Dumm ist nur, wenn jene wenigen Sprachpuristen, die die ch-s-Kombination korrekt aussprechen, gedankenlos einen Schritt zu weit gehen. Denn mit Sachsofonisten und Bochsern sollte man keine Fachsen machen. Von Kechsen gar nicht zu reden.

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

1 Kommentare

Kekse und Germanen

Das Wort "Keks" wurde im 20. Jahrhundert aus dem Plural "cakes" von englisch "cake" (Kuchen) ins Deutsche entlehnt, phonetisch geschrieben und als Singular empfunden. Dieses süße Gebäck heißt nicht überall in Deutschland "der Keks", sondern zumindest in Bayern genauso wie in Österreich "das Keks".
Meines Wissens trifft es nicht zu, dass
"hierzulande" (in Österreich) "jegliche Form von Gebäck darunter verstanden wird".
In dem Satz "Vanillekipferln & Co. bezeichnet der Germane hingegen als Plätzchen ..." stört mich die spöttische Bezeichnung der Bundesdeutschen als "Germanen". Bekanntlich liegen Wien, wo bis 1806 der "König in Germanien"
residierte, und Salzburg, dessen Erzbischof noch immer den Ehrentitel "Primas Germaniae" trägt, nicht in Deutschland, sondern in Österreich.

AnmeldenAnmelden