Eine Passauer Schule hat mit ihrem Bann für „Hallo“ und „Tschüss“ unlängst für Aufsehen gesorgt. Statt der saloppen Grußformeln („zu unhöflich“) will man „Grüß Gott“ forcieren (so sage man nun einmal in Bayern, hieß es). Jene, die damit ein Problem hätten, sollten sich zumindest mit „Guten Morgen“ oder „Guten Tag“ behelfen.
Auch in Österreich führen viele einen (nicht zu gewinnenden) Krieg gegen den Einsatz von „Hallo“ und vor allem „Tschüss“. „Der Hallo ist scho g'storben“, bekam man früher von älteren Zeitgenossen zu hören, wenn man nicht „anständig“ gegrüßt hatte. „Tschüss“ ist auch wegen des deutschen Klangs verpönt, es gilt ja als Symbol einer schleichenden Germanisierung der österreichischen Sprache.
Aber auch ohne diese beiden Reizwörter ist das richtige Grüßen hierzulande äußerst schwierig: Da gilt es historische, politische und soziologische Komponenten zu beachten. Im besten Fall verrät man mit seinem Gruß, wen man wählt, wofür man sich und den anderen hält, und ob es sich um eine flüchtige oder längere Begegnung handeln soll. (Mit einem unbedachten „Grüß Sie“ kann ganz schön viel danebengehen.) Grüßen hat viel mit Respekt, aber auch mit Macht zu tun.
Jugendliche entziehen sich diesen ungeschriebenen Regeln gern. Vielleicht, weil sie sie nicht kennen, aber vielleicht auch, weil ihnen diese Kategorien nicht behagen. Nicht „richtig“ zu grüßen, muss auch nicht immer eine Frage des fehlenden Respekts, sondern kann auch Ausdruck von Verlegenheit sein. Ein „Hallo“ ist zumindest ein ziemlich demokratischer Gruß. Und was man dem Hallo sonst noch alles zugutehalten kann... Aber hallo!
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)
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