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Die neue Geschwätzigkeit

02.03.2012 | 18:48 |  ULRIKE WEISER (Die Presse)

Wer sagt, dass Menschen zu wenig reden?

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Die Sätze klingen harmlos. In Summe können sie einem aber den DVD-Abend verderben. Es beginnt mit „Weißt du, wo die noch mitgespielt hat? – In ,Rom‘!“ Geht weiter mit „Ich habe nachgelesen: Die Sympathie für den Hauptdarsteller würde ich noch einmal überdenken“ und endet oft mit „Spul bitte zurück, ich habe gerade was zur nächsten Staffel nachgeschaut.“ Spätestens dann ist der Moment, an dem ich einer kulturpessimistischen Neigung nachgebe: Leg. Das. Weg. Jetzt gleich.

Dabei ist es prinzipiell nichts Neues, wenn Menschen während des Fernsehens in ihre Smartphones schauen. Irgendetwas nebenbei hat man schon immer gemacht: lesen, essen, schlafen oder etwas Interessanteres. Trotzdem hat der Internetzugang am Mobiltelefon das Fernsehen verändert. Nicht durch das Zersplittern der Aufmerksamkeit, sondern durch den steten Strom an „Und übrigens...“-Fakten, der sich wie eine Endlosfolge der „Sendung ohne Namen“ aus dem mobilen Netz ergießt. Seien es nun Wikipedia-Infos zu Serien-DVDs oder Twitter-Meldungen, die man parallel zum Club 2 oder zur Songcontest-Auswahl (manchmal ist das ja dasselbe) verfolgt. Das Internet ist ein geschwätziges Medium, das den Menschen geschwätzig macht. Auch dann, wenn er still sein sollte.

Aber auch bei Diskussionen kann der ständige Zugang zum weltweiten Wissen lästig sein. Kommt das nur mir so vor, oder ist „ich google das schnell“ ein bisschen unsportlich? In Debatten gewinnt immer der, der schneller tippen, und nicht der, der schneller denken kann. Überhaupt sind Abende, die eine Gesellschaft grübelnd verbringt, weil einem ein bestimmter Name partout nicht mehr einfällt, ausgestorben. Das letzte Mal ist das in einem Lokal ohne Handyempfang passiert. Und ja, wir sind früher gegangen.

 

E-Mails an: ulrike.weiser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2012)

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