18.05.2013 20:35 Merkliste 0

Frauen kritzeln, aber anders

15.05.2012 | 18:20 |  ULRIKE WEISER (Die Presse)

Wenn man auf Haut schreibt, dann auf die eigene.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

 

Letztens habe ich etwas getan, was ich wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht habe. Ich habe mir mit Kuli etwas auf die Hand geschrieben, nämlich auf das praktische Dreieck zwischen Daumen und Zeigefinger. Kollege P. hat es gesehen und gesagt: „So etwas machen nur Frauen.“

Was insofern ein Blödsinn ist, als ich kaum Frauen mit Hang zu regelmäßiger Kuli-Bemalung kenne. Und insofern wieder keiner ist, als früher, in der Schulzeit, nur die Mädchen auf die eigene Hand gekritzelt haben. Vielleicht liegt das daran, dass der weibliche Körper generell öfter bemalt wird, vielleicht daran, dass sich Frauen öfter die Hände waschen. Tatsächlich war das Thema der Forschung wohl nie die Mühe wert. Weshalb man auch nicht weiß, ob der Siegeszug der Tätowierung oder die omnipräsente digitale Leinwand etwas am Kritzelverhalten der Geschlechter geändert hat. Doch dass das Verhalten unterschiedlich ist, traue ich mich auch ohne wissenschaftliches Backup zu sagen. Zwar kritzeln auch Männer und nicht wenig. (Wer es nicht glaubt, soll bei Besprechungen einen Seitenblick auf Notizblöcke riskieren.) Aber im Unterschied zu Frauen, die im Notfall – kein Handy, kein Papier – Wichtiges auf der Hand notieren, verzieren manche Männer ihre Umgebung. Auch ohne Notfall. Da werden interne Aushänge mit anonymen Kommentaren, Straßenlaternen mit Fußballpickerln bedacht oder Magazingesichtern Zahnlücken gemalt. Auch Haut ist als Unterlage beliebt, allerdings fremde. Menschen, die nach einer durchzechten Festivalnacht mit Edding-Tattoos aufgewacht sind, werden das bestätigen. Obwohl: Aus dem Alter sind wir ja alle raus. Oder, ehrlicher: So jung war ich eh nie. An lauen Sommerabenden gehe ich maximal in den grünen Prater und höre den „Hallo“-Song – von den famosen „Krixi Kraxi und die Kroxn“.

 

E-Mails an: ulrike.weiser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com