Immer diese Fragen. Die technischen Geräte gaukeln einem ständig Demokratie vor. „Jetzt neu starten? Später starten?“, fragt der Computer alle paar Minuten. Man muss sich entscheiden. Genervt auf später vertrösten oder es gleich hinter sich bringen? Frag mich nicht, möchte man am liebsten zischen, es bleibt mir ja eh nichts anderes übrig.
Schlimmer noch, wenn bereits gegebene Befehle infrage gestellt werden. „Wollen Sie die Datei wirklich löschen?“ Ja doch, sonst hätte ich nicht auf Löschen gedrückt. Manchmal tauchen aber durch die Frage kleine Zweifel auf. Na gut, dann doch speichern, wer weiß. Bei E-Mails wären manche Fragen hingegen hilfreich. „Wollen Sie diese Nachricht, die Ihnen potenziell Ärger einbringt, wirklich abschicken?“ Da hätte man sich schon viel erspart.
Fragen, die keine echten Fragen sind, lernt man schon als Kleinkind kennen. „Willst du einen Apfel oder eine Banane?“ fragt die Mutter und hält den Apfel schon in der Hand. Oder: „Gehen wir schlafen?“ „Nein“, sagt das Kind und muss doch schlafen gehen.
Offene Fragen unter Unentschiedenen sind auch nicht schlecht. „Wo gehen wir hin?“, fragt sich die kleine Gruppe nach der Arbeit. Die einen wollen Fußball schauen, die anderen keinesfalls. Einer will sitzen, der andere stehen. Ich sitze den ganzen Tag! Der einen ist drinnen kalt, der anderen draußen zu warm. Gibt es endlich eine Einigung, dann sicher keinen Platz im Lokal. Oder die Küche hat schon lange geschlossen. Und hat man endlich bestellt, legt der Kellner los. Prickelnd oder still? Veltliner aus dem Weinviertel oder Kremstal? (Was für eine Frage.) Bier vom Fass oder in der Flasche? Apfelsaft trüb oder klar? Und das Steak? Wie groß, wie blutig und welche Sauce?
Neu installieren, sofort! Möchte man rufen. Und bitte nicht so viele Fragen. Das mit der freien Entscheidung ist doch völlig überschätzt.
E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2012)
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