Nach dem Mai ist auch der Juni fast schon vorbei. Wie wir der Kleinen Chronik dieser Zeitung entnehmen dürfen, gilt das aber noch nicht ganz für die Hochzeit kirchlicher Trauungen. An Braut und Bräutigam richten sich ja allerlei Ratgeber. Die mit vielen Beiträgen jedenfalls einen Beitrag leisten: Die Nervosität der Hauptdarsteller vor dem Tag X wird mit Garantie vergrößert. Selbst Eltern oder künftige Schwiegereltern schaffen es nicht, den unschuldigen Zweien mit den als gute Tipps getarnten Anweisungen erst richtig zu verdeutlichen, was alles schiefgehen könnte. Mitfeiernde einer Trauung sind von allen guten Ratschlägen verlassen. Sie müssen sich auf einschlägige Routine verlassen. Dabei birgt eine Trauung weithin unterschätzte Gefahren. Beginnen wir beim oft nach foto- oder stiegentechnischen Gesichtspunkten ausgewählten Ort der Handlung. Die (Stifts-)Kirche sollte spätestens in Zeiten des Navigators mit Angabe der Fahrzeit nicht zu spät gefunden sein. Schon die Frage, wo hinsetzen, ist nicht leicht zu beantworten. Eine Platzwahl zu weit vorn kann dazu führen, sich unter aufgeregt plaudernden, einander umarmenden und herzenden Verwandten wiederzufinden – und misstrauischen Blicken. Bei einer Platzwahl zu weit hinten gerät man in Verdacht, Exgeliebter der Braut gewesen zu sein. Maria! Eine weitere Gefahr, die nicht aus der mehr parfum- als weihrauchgeschwängerten Luft gegriffen ist: Tätigwerden der glandula lacrimalis (nein, Anruf unnötig, Übersetzung folgt) der Tränendrüse also. Beim Brautpaar, bei den Eltern (vergesst die Väter nicht!), Onkeln, Tanten (vorzugsweise alleinstehenden). Und Kindern. Denen alles zu lange dauert. Ein Blick später in die Augen der Eheleute entschädigt für allerlei. Man darf es Liebe nennen.
E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2012)
Lady DianaZwischen Trauer und Hysterie
VorkosterRestaurants im Test
VerkosterGerhard Hofer degustiert im Keller
Prinz Charles bis Prinz PilsWie gut kennen Sie den Adel?
ImagekriseDas große Bieber-Bashing
Schöner MannBärte, Beaus und James Franco in Cannes
Modesünden Billboard Music Awards