Mit Gospel und Granaten
Vor dem Eingang eines Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt steht bei 27 Grad Celsius ein Gospelchor mit Nikolausmützen und trällert „The First Noël“. An ihnen vorbei spaziert die Mittel- und Oberschicht noch mehr Weihnachtsstimmung entgegen. Drinnen tönt „Last Christmas“ von WHAM! aus den Lautsprechern – einmal in klassischer Version, dann wiederum mit Afrobeats unterlegt. Auf den Kinoleinwänden drinnen flimmert „Nairobi Half Life“, eine Geschichte von einem jungen Mann, der vom Land in die Metropole zieht und dort mit den dunklen Seiten der Stadt konfrontiert wird. Die wirklichkeitsnahe Darstellung von Armut und Gewalt hat das kenianische Drama im vergangenen Jahr zum filmischen Highlight katapultiert.
Sicherheitsbeamte kontrollieren die Kinobesucher mit Metalldetektoren und durchsuchen ihre Taschen. Seit kenianische Truppen im Vorjahr die Interventionskräfte der Afrikanischen Union im bürgerkriegszerrütteten Nachbarland Somalia verstärkten hat sich das Sicherheitsaufgebot in Nairobi enorm verschärft. 2012 gab es Dutzende Attentate im Land, vier davon allein in Nairobi im Dezember. Die religiösen Spannungen werfen einen dunklen Schatten über die Weihnachtsfeierlichkeiten.
Von Anna Mayumi Kerber (Nairobi)
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