Der 500 ist der emotionale Kern von Fiat. Ein absoluter Sympathieträger mit reichlich Geschichte. Nun soll eine komplette Familie um den Publikumsliebling entstehen. Die Bereiche Cabrio (500C) und Sport (Abarth) sind bereits abgedeckt. Jetzt bringt Fiat das Raumwunder, den 500L. L steht nicht mehr für Luxus wie anno 1968, sondern für Large. Der zusätzliche Buchstabe wurde im Logo bewusst hochgestellt: das Original zum Quadrat, sozusagen. Der Apfel fällt hier jedoch recht weit vom Stamm.
Die Italiener komprimieren üppig viel Platz auf lediglich 4,14 Meter Länge. Sowohl vorn als auch hinten ist das Raumgefühl außergewöhnlich – selbst für einen mit 1,94 Meter Körpergröße. Ein anständiger Kofferraum (mindestens 343 Liter) geht sich auch noch aus. Beim L fährt Fiat seine volle Kleinwagenkompetenz auf. Hochgradig funktionell, vielseitig wie ein Schweizer Taschenmesser. Die Italiener wollen 1500 Konfigurationen des Innenraums gezählt haben. Nur ein kurzer Auszug: längs verstellbare Rücksitze, umklappbarer Beifahrersitz, variabler Kofferraumboden, Ablagen en masse. Mit dem L lassen sich Gegenstände selbst mit 2,4 Meter Länge transportieren.
Über den Namen des neuen Modells wurde beim Hersteller rege diskutiert. 600, Giardiniera, Multipla – im Fiat-Fundus stehen ja einige Alternativen zur Verfügung. Der 500 hat jedoch mehr Zugkraft, obwohl von ihm im L nicht mehr viel übrig geblieben ist. Der Neue steht auf einer anderen Plattform. Das niedlich Rundliche musste der Würfelform weichen. Raumeffizienz, Sie verstehen. Vom dritten Seitenfenster bis zu den Armaturen – das Quadrat zieht sich gestalterisch quer durch den L.
Kaffee für unterwegs
500er-Fahrer betreten im Innenraum eine eigene Welt. Der große Tacho, der in der Mittelkonsole höher gelegte Schaltknüppel und diverse Retroanspielungen der Ikone wurden nicht übernommen. Dafür gibt es eine leicht erhöhte Sitzposition, Plastikleisten an den Seitentüren, Fünf-Zoll-Touchscreen und sogar eine Kaffeemaschine (gegen Aufpreis). Die umlaufende Fensterfront gibt dem L innen eine angenehm helle und luftige Atmosphäre.
Wirkt er nicht mehr wie ein Panda-Kombi denn ein Mitglied der 500er-Familie? Im Fiat-Jargon heißt es, der L wurde bewusst und betont eigenständig gestaltet. Das hat freilich auch einen speziellen Charme. Man darf gespannt sein, wie das optisch weitergeht. Die Familie wird nämlich um einen Crossover (500X?) und einen Siebensitzer (500XL?) erweitert.
Sauberer Klang
Bei der Motorisierung ist der L (16.400 Euro Basispreis) hingegen wieder voll auf der 500er-Linie. Vierzylinder- (1368 cm3, 95 PS) und der weiterentwickelte Zweizylinder-Benziner (875 cm3, 105 PS) sind an ein Sechsgang-Getriebe gekoppelt. Fahrer des Diesel-Vierzylinders (1248 cm3, 85 PS) müssen mit einer Schaltstufe weniger auskommen, erreichen mit 4,2 Litern jedoch den besten Verbrauchswert. Start-Stopp-System gibt es auch, jedoch nicht für den Vierzylinder-Benziner.
Besondere Auffälligkeit bei einer ersten Proberunde: die Geräuschkulisse. Selbst mit dem doch recht kernig klingenden Zweizylinder ist der L auf der Autobahn erstaunlich leise unterwegs. Trotz des hohen Aufbaus entstehen kaum Windgeräusche. Dann kommt die optionale Hi-Fi-Anlage von Beats Audio (sehr empfehlenswert) auch entsprechend zur Geltung. (mp)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)
Zweirad-Chic
Muttertag
Porzellanteint
Prinz Charles bis Prinz PilsWie gut kennen Sie den Adel?
Schöner MannBärte, Beaus und James Franco in Cannes
Mercedes-FlaggschiffDie neue S-Klasse
Modesünden Billboard Music Awards