Angedrohte Werksschließungen, ein überraschender Chefrücktritt, wirtschaftliche Schieflage – bei Opel rennt es derzeit alles andere als rund. Das verunsichert den Kunden, die Verkaufszahlen sehen dementsprechend aus. Am Zafira liegt es sicherlich nicht – wieder einmal, muss man sagen.
Der Familienvan war bereits in der ersten Generation, so um die Jahrtausendwende, die große Ausnahme. Er gilt durch seinen Markterfolg als Retter des Opel-Werks in Bochum. In ihren Grundzügen wiederholt sich nun die Geschichte. Erneut wackelt der Standort Bochum, erneut ist es der Zafira, der für Opel die Kastanien aus dem Feuer holt. Diesmal als Tourer, in verlängerter Variante. Der Gründervater der siebensitzigen Kompaktvans wurde um satte 20 Zentimeter verlängert. Mit dem Neuen entstand also quasi der Kombi des Opel-Vans. Mit seinen 4,66 Metern Länge steigt der Tourer in eine andere Raumklasse auf, positioniert sich gekonnt zwischen den Stühlen der direkten deutschen Konkurrenz, beispielsweise Touran/Sharan von VW. Und er ist sogar um einen Hauch kürzer als der Astra-Kombi, jedoch bei deutlich luftigerem Raumgefühl.
Schon beim Original-Zafira galt: Bei der Sitzvariabilität ist er ein Musterknabe. Kaum einer hat eine elegantere Lösung auf den Markt gebracht, um so viele Konfigurationen auf begrenztem Raum unterzubringen.
Jedem einzelnen Sitz haben sich die Rüsselsheimer mit größter Akribie gewidmet. Das Mehr an Platz im Tourer ermöglichte neue Varianten. Die zweite Reihe lässt sich auch in der Breite verschieben, der Mittelsitz mutiert zur Ablage. Nur ausbauen kann man das Gestühl nicht, aber die schweren Trümmer will doch sowieso keiner schleppen. Der Kofferraum wurde größer.
Fahrrad, ungewuchtet
Durch den in der Stoßstange integrierten Fahrradträger muss man sich nicht mehr den Kopf zerbrechen, wie man sein Bike in den Kofferraum wuchtet. Selbst in Vollausstattung – Leder, Navi, Rückfahrkamera, Panoramadächer – bleibt der Tourer in der 130-PS-Diesel-Variante mit etwa 41.200 Euro einigermaßen im sozial verträglichen Rahmen.
Sports Tourer, dieses Namenssuffix ist den Kombis in Opels Modellpalette vorbehalten. Nicht schlüssig ist, warum der Hersteller bei der Bezeichnung des neuen Zafira nur halbe Sachen machte. Für einen Wagen dieser Größe verträgt er einen durchaus sportlichen Umgang. Der Vierzylinder-Diesel harmoniert hervorragend mit dem ausgeglichenen Fahrwerk und dem wohlsortierten Sechsgang-Getriebe. Dies ermöglicht ein spielerisches Fahren in allen Gangarten. Das alte Vorurteil, dass ein Van eine totale Spaßbremse sein muss, gilt nicht mehr.
Die einzige Schwäche des Vierzylinders: Akustisch kann er nicht leugnen, dass er ein Diesel ist. Dafür spricht der Verbrauch von sieben Litern wieder deutlich für ihn. Man kann also durchaus verstehen, warum der Tourer derzeit der beliebteste Van Österreichs ist.
Opel Zafira Tourer Cosmo
Maße: L/B/H: 4658/1884/1685 mm. Radstand 2760 mm. Gewicht 1733 kg. Ladevolumen 1860 l.
Motor: R4-Zylinder-Turbodiesel, 1956 cm, 130 PS, 300 Nm.
Preis: ab 28.590 Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2012)
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