Seit Ende der Fünfzigerjahre ist sie der Traum der amerikanischen Autofans, aber auch diesseits des Atlantiks hat sie viele Freunde. Die Corvette von Chevrolet ist der amerikanische Sportwagen schlechthin. Mittlerweile in der sechsten Generation, sind die Eckpfeiler unverändert geblieben. Ein Rahmen trägt eine Karosserie aus Kunststoff, vorn wummert ein großvolumiger V8, der seine Urkraft auf die Hinterachse überträgt. Natürlich ist der Fortschritt auch hier nicht ausgeblieben, so wurde vor allem bei den beiden Sportmodellen Z06 und ZR1 der Kunststoff mit einigen Carbonteilen veredelt, auch, um das Gewicht unter 1,5 Tonnen zu halten. Ein beachtlicher Wert angesichts der riesengroßen Motoren mit immerhin 7,0 (Z06) und 6,2 (ZR1) Liter Hubraum. An dem Fahrwerk, einst Schwachpunkt der Corvette, wurde fest gearbeitet, es steht heute der europäischen Konkurrenz kaum nach. Einzigartig ist immer noch das Fahrgefühl. Nach dem Druck auf den Startknopf wummert der V8 sanft, aber nachdrücklich los. Schon beim Anfahren wird klar, dass Hubraum durch nichts zu ersetzen ist. Egal, in welchem Gang des knackigen Sechsganggetriebes man sich bewegt, immer ist genügend Kraft vorhanden, um die lange Schnauze gen Himmel steigen zu lassen. Wem die 512 PS der Z06 nicht reichen, für den hat Chevrolet mit der ZR1 noch einen schnelleren Pfeil im Köcher. Hier zerren satte 647Pferde an der Hinterachse, der Motor wird von einem Kompressor beatmet. Er kommt nicht so kraftvoll aus dem Drehzahlkeller wie sein Saugbruder, legt dann aber zu, dass es die Besatzung fast wie bei einem Düsenjet in die Sitze presst. Dabei dreht er so freudig hoch, dass man fast vergisst, dass hier acht Kolben im Bierkrügelformat auf- und absausen.
Neben schierer Leistung kann die letzte Generation auch mit einer ausgezeichneten Verarbeitung punkten. Allerdings schlägt sich das im Preis nieder. Mit knapp 125.000Euro für die Z06 und 178.000 für die ZR1 befindet man sich in bester Gesellschaft.
Wer ein ähnliches Feeling zum halben Preis möchte, der kann seit kurzer Zeit zum neuen Camaro greifen, endlich auch in Österreich. Er ist die Neuauflage des legendären Pony Cars aus den Sechzigern, als man in den USA begann, große Motoren in kleine Autos zu packen. Die neueste Camaro-Auflage hat demgemäß den 6,2-Liter-V8 der Corvette implantiert. Hier darf er 432 PS leisten, genug, um auf der Straße keinen Stress beim Überholen zu haben. Auch optisch macht der Camaro eine gute Figur, nur innen wirkt er etwas billiger als die Corvette. Kein Wunder, um knapp 60.000 Euro ist der Camaro – verglichen mit der Corvette – ein wohlfeiles Angebot.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)
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