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McLaren: Woking ist nicht Maranello

16.08.2012 | 18:24 |  TIMO VÖLKER (Die Presse)

Neuvorstellung: Wie Commander Ron das Gefüge der Sportwagen nachhaltig aufzumischen gedenkt. Der McLaren ist gewissermaßen ein Anti-Ferrari.

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Ron hat große Pläne. Der Mann, der einmal Jochen Rindts Mechaniker war, wie wir aus zahlreichen Formel-1-Übertragungen wissen, und den die Queen zum Commander geadelt hat (der Sir steht knapp noch aus), hatte immer schon große Pläne, und nicht wenige davon sind aufgegangen. Als Ron Dennis 1980 bei McLaren einstieg, brachen für den stotternden Rennstall goldene Zeiten an. Nur Ferrari hat eine bessere Titelbilanz, wobei die Italiener schon viel länger dabei sind.

Mit der Rennerei als Kerngeschäft schuf Commander Ron ein hoch spezialisiertes Hightech-Unternehmen mit 1500 Angestellten, das 2005 im englischen Woking das passende Zuhause bekam: Rons Idee (manche würden sagen: Manie) von Präzision und Purismus, verpackt in die Architektur von Sir Norman Foster. Kein Gebäudeteil ist höher als elf Meter, was dem höchsten Baum in der umgebenden Naturlandschaft entspricht, zur Kühlung werden nicht hässliche Klimaanlagen benutzt, sondern ein ausgeklügelter Wasserkreislauf samt künstlichem See. Drinnen tragen alle Herren dunkle Hosen; Häferl und Snacks auf den Tischen sind untersagt (dafür soll die Kantine 1a sein), Werkzeuge und kleine Maschinen verschwinden in Fächern, man sieht nirgendwo Kabel, nicht einmal Mistkübel stehen herum, weil Ron keine herumstehenden Mistkübel mag.

So stellt man sich die Gefilde eines Rüstungskonzerns vor (ein Zweig von McLaren entwickelt denn auch hitzeisolierende Sitze für Panzer-Cockpits), und tatsächlich ist das rastlose Formel-1-Geschäft nicht viel anders – nur kommen statt Raketen schnelle Autos heraus. Die maßgeblichen aus McLarens Geschichte sind in der Aula versammelt, darunter Laudas und Sennas Dienstwagen, allesamt Nachkommen des MP4-1 von 1981, der das Carbon-Chassis in der Formel 1 einführte. Auch eine von Rons Ideen.

Eine gute Umgebung jedenfalls, um Sportwagen für die Straße zu bauen, solche, die das Gefüge der etablierten Marken (Ferrari und Porsche, plus die Handvoll Exoten) gründlich durcheinanderwirbeln sollen. Das wären die aktuellen Pläne von Ron Dennis, der in Woking eine Produktion mit Kapazität für 4000 Autos im Jahr hat aufziehen lassen, das ist die mittelfristige Planung mit einer ganzen Reihe von Modellen.

Den Anfang machte der MP4-12C vor zwei Jahren, nun steht das erste Update an – hauptsächlich mehr Leistung, nämlich 625 statt 600 PS. Frühe Käufer brauchen sich nicht zu grämen, sie bekommen die Draufgabe gratis.

12C steht nicht etwa für einen V12, wie ihn der McLaren F1 von 1993 hatte, sondern für eine interne Benchmark, das C für das Monocoque aus Karbon, das mit 75 Kilogramm selten mehr wiegt als der Fahrer. Zwischen den Achsen liegt ein im Haus entwickelter 3,8-Liter großer V8 mit zwei Turbos, auch die Aufladung unterscheidet ihn vom ikonenhaften F1. In MP4-Tradition wurde jeder Gedanke an Alu-Bauweise, wie bei Ferrari, verworfen, allerdings musste McLaren zunächst eine bezahlbare Karbon-Fertigung konzipieren. Das kann derzeit kein anderer Hersteller. Die Form des 12C ist ganz dem Purismus geschuldet, wie er dem ganzen Unternehmen verordnet ist, die Aerodynamik hat den Strich geführt, keine Effekte heischen um Aufmerksamkeit.

Der McLaren ist gewissermaßen ein Anti-Ferrari, auch im Sound, der zwar schon auf einen hübsch gebürsteten V8 schließen lässt, sonst aber kaum Publikum an die Fensterbänke ziehen wird. Die Scherentüren geben den Weg in ein wunderbar aufgeräumtes Cockpit frei, ohne Jetfighter-Geblödel (Lambo) oder Formel-1-Attrappen (Ferrari) – aseptisch frei von Zierrat und kein einziger Knopf auf dem Lenkrad! Auf der Rundstrecke wurde ein schwedischer Kollege beim Mitfahren mit einem Profi-Rennfahrer ohnmächtig, nur so viel zu brutalen Performance, wie sie zu erwarten war.

Diese geradlinige Auslegung eines (netto) nicht extrem teuren Sportwagens ist allein schon eine Bereicherung des Genres. Zu Rons Plänen demnächst mehr.

Auf einen Blick

McLaren MP4-12C

Maße: L/B/H: 4509/1908/1199 mm. Radstand 2670 mm. Leergewicht 1336 kg. Heckantrieb. Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

Motor: V8-Doppelturbo, 3799 cm. Leistung 625 PS bei 7500/min,
Drehmoment 600 Nm bei 3000-7000/min. CO: 279 g/km.
0–100 km/h in 3,1 sec, 0–200 km/h in 8,8 sec. Vmax 333 km/h.

Preis: 252.750 Euro [Mike Dodd]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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11 Kommentare
Gast: WFP
23.08.2012 15:56
0 0

Wo gibts im Ferrari (Formel I)- Attrappen???


Gast: gast564
17.08.2012 12:42
0 2

die frage ist halt immer

was macht man in österreich mit so einem auto, 625ps und 333km/h spitze, wo man nur maximal 130km/h fahren darf

nach deutschland autobahn fahren?

Re: die frage ist halt immer

soeine frage stellt aber auch nur ein vw diesel fahrer. sorry.

0 0

Re: die frage ist halt immer

richtig

Woking ist nicht Maranello

Das habe ich nicht gewusst!
Jetzt ist mir auch bewusst, dass Purkersdorf nicht Aderklaa ist!

schmelz!

und ein wirklich sehr gut geschriebener artikel. diesen wagen und mich trennen einzig und allein die anschaffungskosten... ;-)

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Re: schmelz!

das fzg entspricht auch meinem geschmack, soweit die paar zeilen darüber auskunft geben.

http://www.ausmotive.com/images/McLaren-website-01.jpg

AM: Ein countach LP400S wog ohne CFK materialen auch nur ~1200kg.

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Re: schmelz!

naja, den höchsten gewinn macht dabei das finanzministerium.

Re: Re: schmelz!

nein. den höchsten gewinn bei sowas hat man als fahrer. besitz ist zweitrangig.

1 0

blödsinn

"..allerdings musste McLaren zunächst eine bezahlbare Karbon-Fertigung konzipieren. Das kann derzeit kein anderer Hersteller.."

KTM macht das schon seit jahren

Re: blödsinn

Für KTM war der x-bow allerdings ein Verlustgeschäft.