Dem sportlichen Durchziehen der Hauskurve steht der rechte Fußraster entschieden im Weg. Mit Vollvisierhelm und in Ledermontur sitzt man hier erst recht auf dem falschen Ross. Erst wer es ein paar Takte gemütlicher angehen lässt, kommt auf den Charme des Retro-Feelings: Kawasakis W800 ist die Antithese zu den futuristischen, Warp-schnellen Supersportmaschinen.
Der 217 kg schweren Kawa reichen 48 PS aus einem luftgekühlten 773-cm-Twin zum Vorankommen. Es wird sogar ein Vergaser aufgeboten, dazu das optische Schmankerl einer Königswelle für den Antrieb der Nockenwelle. Anstelle von Kunststoff ist jede Menge Chrom und Stahl verarbeitet. Der große runde Scheinwerfer, die hübsch lang gezogene Auspuffanlage sowie die traditionell gebaute Vordergabel vollenden den Sixties-Auftritt. Damit begleiten einen die Blicke der Retro-Fans, wie wir bei unseren Streifzügen durch die Stadt bemerken durften.
Die Fahreigenschaften der W800 sind eher gemächlich, auf dem Cruiser ist der Ruf der Landstraße deutlich zu vernehmen. Die lange Sitzbank ist bequem und bietet ausreichend Platz für zwei Personen. Wer bereit ist, für die auch als Leichtmotorrad erhältliche Kawa 9899 Euro (10.199 für die Special Edition, Foto) zu bezahlen, sollte nicht enttäuscht sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)
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