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BMW i3: Die Zukunft kommt zurück

06.09.2012 | 18:30 |   (Die Presse)

Elektroantrieb, Carbon-Fahrgastzelle, neue Plattform - BMW krempelt beim i3 den Fahrzeugbau gehörig um. Eine durchaus gewagte Aktion.

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Konsequenter Leichtbau dank Aluminiums, intelligentes Raumkonzept auf lediglich 3,8 Metern, effizienter Antrieb – der Audi A2 hat zur Jahrtausendwende auf diesen Gebieten zukunftsweisende Maßstäbe gesetzt. Auf dem Markt ist er damit aber kläglich gescheitert, nach nur sechs Jahren wurde die Produktion eingestellt. Retrospektiv betrachtet heißt es immer, der A2 war seiner Zeit einfach voraus. Im nächsten Jahr bringt BMW den i3 auf den Markt. Das erste Elektroauto der Münchner. Die Grundprinzipien – und die Grundform – decken sich durchaus mit denen des kleinen Audi, die Zukunft von damals kehrt somit wieder zurück. Die Herangehensweise von BMW ist jedoch komplett anders, nämlich noch radikaler. Die Münchner Ingenieure ziehen eine komplett neue Fahrzeugarchitektur hoch. Carbon macht es möglich. Extrem leicht und trotzdem hoch fest, aber auch energieintensiv und aufwendig in der Herstellung. Die komplette Fahrgastzelle des i3 wird aus dem Hightech-Material geformt, erstmals in Serie. Die Investition in eine Fertigung, die sich derzeit nur für Nischenprodukte (wie das Elektroauto) eignet, ist nicht unbeträchtlich. Selbst für eine Firma wie BMW.

 

Aufgeklebte Fahrgastzelle

Das Grundgerüst des i3 ist denkbar einfach: Auf ein flaches Aluminiummodul – in dem die Batterie, der Antrieb und die Radaufhängungen untergebracht sind – wird die Fahrgastzelle geklebt. Darauf werden die restlichen Karosserieteile angebracht. Der Aufbau ist somit ein Leichtgewicht, das die zusätzlichen Kilos der Batterie wieder ausgleicht. Neue Materialien und alternativer Antrieb ergeben auch neue Gestaltungsmöglichkeiten. Der i3 soll zwar als BMW, aber auch als Elektroauto erkannt werden. Der neue Ansatz soll bewusst optisch nach außen getragen werden.

 

Glastüren im Serienauto?

Der Futurismus der Studie wird großteils auch im Serienauto stecken. Das Konzeptfahrzeug zeigt innen wie auch außen bereits zu 80 bis 90 Prozent den fertigen i3. Durchgehende Sitzbänke, gegenläufig öffnende Türen, keine B-Säule – mal sehen, was davon übrig bleibt. Ziemlich sicher: Die Glastüren werden es nicht ins Endprodukt schaffen.

Die bisher bekannten Eckdaten des i3: 170 PS, 250 Nm, Heckantrieb, 150 km/h Höchstgeschwindigkeit und bis zu 160 Kilometer Reichweite. Wer öfter längere Fahrstrecken ohne sechs Stunden Ladezeit zurücklegen will, der kann immer noch auf die herkömmliche Technik zurückgreifen. BMW wird den i3 auch mit Range-Extender anbieten. Ein Zweizylinder-Benziner lädt ab einem bestimmten Energieniveau die Batterie während der Fahrt – ohne direkt in den Antrieb einzugreifen. Das verdoppelt in etwa die Reichweite. Und für die Urlaubsfahrt ans Meer kann man sich immer noch einen herkömmlichen BMW ausleihen. Das ist Bestandteil eines kompletten Mobilitätspakets, das BMW rund um den i3 anbieten wird. Dazu gehören auch eigene Ladestationen für daheim (wer die Möglichkeit hat) oder Smartphone-Apps, um die wichtigsten Fahrzeugdaten zu kontrollieren.

Ein weiterer Grund für den Misserfolg des A2: Er war schlicht zu teuer. Und der i3? Der Preis steht noch nicht fest, mit der Größenordnung eines herkömmlichen 5ers ist jedoch zu rechnen. mp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)

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