Designexperimente kommen bei den Kunden nicht immer gut an. Vor allem bei Autos. Seat musste das schmerzlich bei der dritten Generation des bis dahin recht erfolgreichen Toledo erfahren. Kaum 800 Stück wurden in drei Jahren in Österreich verkauft. 2009 verschwand er komplett aus dem Angebot der Spanier. Nun gibt es ihn wieder – und er soll vor allem Fahrer der ersten beiden Generationen zurück zum Händler locken.
Das könnte gelingen, denn der neue Spanier hat durchaus seine Qualitäten. Wie sein eineiiger Zwillingsbruder Škoda Rapid, mit dem er gemeinsam entstand (der Seat wird sogar im tschechischen Mlada Boleslav produziert), besitzt das Stufenheck keinen konventionellen Kofferraumdeckel, sondern eine große Klappe. Dahinter verbirgt sich eine wahre Kuhle von Kofferraum mit über 500 Liter Volumen, noch vergrößerbar durch Umlegen der Rückbank. Die Stufe, die dann im Laderaum entsteht, kann man verschmerzen.
Auch wenn man sich mit einem geänderten Grill und neuen Rückleuchten große Mühe gegeben hat, den Toledo zum Seat zu machen, sind die Ähnlichkeiten zum Rapid unverkennbar. Vor allem der Innenraum blieb faktisch unverändert, die Kunststofflandschaft ist funktionell, aber eher nüchtern gestaltet.
Die Motoren, die zum Marktstart im Frühjahr zur Verfügung stehen werden, sind alte Bekannte. Vier Benziner von 75 bis 122 PS, Letzterer auch mit DSG erhältlich, stehen einem Diesel mit 105 PS gegenüber. Dazu kommt ein zweiter Selbstzünder mit 90 PS, mit dem man sich die größten Chancen ausrechnet. Am ehesten kommen die Seat-Gene beim Fahrwerk durch. Es ist etwas straffer ausgelegt als beim Škoda, auch die Lenkung agiert etwas direkter.
Bei der Markteinführung wird es drei Ausstattungsvarianten geben, die Preise beginnen bei etwas über 14.000 Euro und liegen damit gleichauf mit dem Škoda. Neben den Privatkunden hofft man beim Importeur in Salzburg aufs Flottengeschäft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)
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