BMW-Freunde vom alten Schlag stehen heute als rührselige Motorenromantiker da. Bei der Typenbezeichnung 328i beginnen sie zu sabbern, weil sie saftige Reihensechszylinder wittern. Nur um feststellen zu müssen, dass BMW unter dem Namen mittlerweile Vierzylinder mit frugalem Hubraum verbaut. Überhaupt: Statt mehr Zylinder gibt es tendenziell weniger – demnächst laufen im Motorenwerk Steyr Dreizylinder vom Band, vorerst für Mini und 1er, mit einer Leistung von 122 bis 224 PS. Der Van von BMW, der im nächsten Jahr kommt, wird zudem Frontantrieb haben, womit ein weiteres Denkmal gestürzt wäre. Weil es schlicht das klügere Konzept ist. (Wäre schon beim 1er so gewesen und kommt auch bald: Sein heutiger Heckantrieb ist Anachronismus, bloß vom Marketing zum Dynamik-Asset aufbereitet.) Schließlich ist es den Kunden heute schon wurscht, ob vorn oder hinten, wie eine hausinterne Studie ergeben hat.
So kamen wir dazu, den 328i im ersten Test etwas vergrämt einen „blässlichen Vierzylinder“ zu nennen. Was vielleicht nicht ganz gerecht war.
Es stimmt schon, vom Charisma des Reihen-Sechsers ist hier nichts zu merken. Der 2,0-Liter-Motor macht keine betörenden Geräusche, beim Starten nicht und auch sonst nicht. Der Lauf ist ruhig, aber man würde ihn nicht seidig nennen. Er läuft einfach, und das ruhig. Immerhin: Das kann man von den Dieseln nicht behaupten.
Nachdruck auf dem Gaspedal
Dass der Motor über einen Turbolader verfügt, in diesem Fall mit zwei Schaufelrädern, könnte einem glatt entgehen: Von einem Turboloch ist so gut wie nichts zu bemerken, und die Kraft entwickelt sich überaus gleichmäßig. Im Sparmodus bedarf es etwas Nachdrucks auf dem Gaspedal, um sie abzurufen. Dann geht es aber wirklich sehr ordentlich dahin. Mit 245 PS Nennleistung ist der 328i ja auch nicht mager ausgestattet.
Hat man per Fahrerlebnisschalter, von dem wir immer noch nicht wissen, ob wir ihn kindisch oder clever finden, das sportliche Mapping gewählt, macht das Auto einen kleinen Freudensprung vorwärts, hängt die Maschine fürderhin schön am Gas (in allen Lagen erstklassig: die ebenso geschmeidige wie flinke Achtgangautomatik). Das für die immer selteneren Momente, in denen man erquickend gewundene Straßen vorfindet, die von niemandem verstellt sind. Denn dies ist immer noch der 3er, BMWs Urmaß für gepflegte, kompakte Sportlichkeit. Tatsächlich gibt es in der Klasse kein Auto, das den Spagat vom pulsberuhigten Herumzockeln bis zum Räubern in höchster Ideallinienpräzision so mühelos beherrscht wie der 3er – muntere Motorisierung vorausgesetzt.
Beim wilden Spaß spielt auch der Allradantrieb mit. Das Wesen von xDrive ist es ja, praktisch nicht aufzufallen, seine Existenz zu verschleiern, bis auf verschneiten oder glatten Wegen seine Stunde schlägt. Genau genommen ist es aber auch auf staubtrockener Straße zu Diensten, wenn permanent Antriebsmoment zwischen den beiden Achsen gehandelt wird, zum Beispiel bei schneller Kurvenfahrt. Das Resultat ist höheres Tempo, aber nicht unbedingt Lustgewinn, denn statt eines schlenzenden Hecks bleibt das Auto einfach sklavisch in der Spur. Das Extramaß Traktion durch xDrive ist dennoch in jedem Fall empfehlenswert.
Ein kleines, aber bedeutsames Extra ist der Fernlichtassistent, den BMW als Erster an Bord hatte, und der nun zum Hightech-Lichtspiel gereift ist. Nicht nur aktiviert er die Weitstrahler tempoabhängig und je nach Verkehr (vor uns und entgegenkommend), er reguliert die Leuchtweiten auch völlig flexibel, nimmt Kurven vorweg und strahlt gezielt die großen Tafeln an der Autobahn an. Das unermüdliche Lichtoptimieren unterhält super bei langer Nachtfahrt.
BMW 328i xDrive Autom: ab 44.974 Euro
Maße: L/B/H: 4624/1811/1434 mm. Radstand 2810 mm. Gewicht 1600 kg. Ladevol. 480 l.
Motor: R4-Zyl.-Otto-Turbo, 1997 cm, 180 kW (245 PS), 350 Nm. Testverbr. 8,8 l/100 km.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)
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