In „Skyfall“, in dem Cyber-Terrorismus ein Thema ist, tritt James Bond eine Reise in die Vergangenheit an: „Dort sind wir im Vorteil.“
Das Auto, das er dafür aus der Garage holt, ist ein 1963er Aston Martin DB5, der große Klassiker der Marke, seit „Goldfinger“ auch Ikone des 007-Genres. Für manche schon das Highlight des Films, spätestens, als der Aston mit Hilfe einer keineswegs serienmäßigen Zusatzausstattung (je ein Maschinengewehr unterhalb der Scheinwerfer) ein paar Böse zusammenschießen darf. Hoffen wir ganz fest, dass es wirklich nur eine DB5-Replika ist, die zum Abspann des Films nachhaltig durchlöchert wird und neben vielen anderen Autos zu den Schrotthaufen zu zählen ist.
Als sich der neue Q vom MI6 als 20-jähriger Computer-Nerd herausstellt, bemerkt Bond: „Jugend ist keine Garantie für Innovation“, eine stimmige Überleitung zu Aston Martin heute, zum neuen DB9 und zum Chef der Firma, dem Deutschen Ulrich Bez.
Bei aller schwäbischer Bodenständigkeit ist Bez eine schillernde Figur in der Branche. Der 69-Jährige pflügt neuerdings auf einem Segway durch die Flure und Hallen des Aston-Werks in Gaydon. Am Tag kamen doch einige Kilometer Rennerei zusammen, denn dieser Herr ist rastlos und kann jederzeit überall auftauchen, wie Mitarbeiter zu erzählen wissen, neuerdings elektrisch surrend, durch den gyroskopischen Mechanismus immer leicht wippend, wenn man mit ihm spricht und nach den Fortschritten abgefragt wird.
Wenn Bez referiert, ist das erfrischender als der heißeste Techno-Hype, den Trend-Scouts vom Stapel lassen. Kein Mantra des Gewerbes ist ihm heilig, etwa jenes der rasenden Neuerfindung von allem und jedem: „Wenn es nicht neu gemacht werden muss, dann machen wir es nicht neu.“
Viele Automanager würden lieber einen Gehaltsverzicht unterschreiben, als ihren Kunden diese Nachricht beizubringen.
Artig kollabieren
Speziell im Fall des neuen DB9 kann man gut damit leben, dass nicht allzu viel, jedoch Wesentliches neu gemacht wurde. Der GT-Sportwagen von 2004 war das erste neue Modell unter Bezens Führung, und es war Zeit geworden für den frischen Jahrgang.
Bevor es ans Fahren geht, muss ein Aston Martin aber zuallererst ein schönes Auto sein. Die Anforderungen des modernen Fußgängerschutzes erleichtern diese Aufgabe nicht. Bez: „Wir lassen uns von der Gesetzgebung aber nicht vorschreiben, wie unsere Autos auszusehen haben.“
Um die Front des DB9 nicht durch die üblichen Operationen zu verunstalten – Motorhaube verbreitern und anheben, Scheinwerfer nach hinten ziehen –, legte das Aston-Team den Motor zwei Zentimeter tiefer, was auch der Fahrdynamik hilft, und entwickelte einen Kühlergrill, der beim Crash artig nach hinten kollabiert. Dafür durfte er seine Zähnchen aus Metall behalten und trägt nicht Kunststoff, „das war uns wichtig“.
Über den Kunstgriff von Pop-up-Motorhauben, die pyrotechnisch ausgelöst den Fußgänger empfangen, kann sich Bez richtig in Rage reden, er predigt Einfachheit, immer beruhigend, wenn von 200.000-Euro-Autos die Rede ist.
Mit der Sechsgang-Automatik des DB9 etwa lässt sich kaum angeben (wo Porsche schon manuell mit sieben Gängen aufwartet), aber warum meckern, wenn sie sich der Aufgabe absolut gewachsen zeigt? Wenn der 6,0-Liter-V12 die Muskeln spannt, gehen einem nicht so schnell die Gänge aus. Die neue Motorengeneration ist im DB9 auf 517 PS ausgelegt und bietet neben guten Manieren auch alles Rockstar-Drama, das man von einem Zwölfzylinder im Sportwagen erwartet – das entschlossene Stemmen bei niederen Touren, das furiose Wüten mit Klanggewalt oberhalb 5000/min, bei einer wunderbaren Fahr- und Berechenbarkeit, wie sie zu den Stärken von Saugmotoren gehört. Und wie sie auch das gutmütige, neutrale Fahrwerk (Lenkung: genau, aber irritierend leichtgängig) an den Tag legt. Um mit Bez zu schließen: „Sie fahren nicht quer durch die Kurve. Sie fahren schnell um die Kurve.“
Aston Martin DB9 Coupé
Maße L/B/H 4720/2061/1282 mm. Radst. 2740 mm. Gewicht 1785 kg.
Motor V12-Zylinder, 5935 cm. 517 PS bei 6500/min. 520 Nm bei 5500/min. 0–100 km/h in 4,6 sec. Vmax 295 km/h. 14,3 l/100 km.
Preis 220.333 Euro.
(Volante: 237.880 Euro)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2012)
Vorkosten mitAnna Burghardt, Petra Percher und Almuth Spiegler
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