Was wurden dem Auto nicht alles für künftige Vertriebsmodelle vorhergesagt. Das Auto aus dem Supermarkt zum Beispiel: das „Hofer“-Auto, quasi zum Mitnehmen. Aber weiter als zum chinesischen Billig-Scooter in den Baumärkten reicht das Angebot bis heute nicht. Realität wurde hingegen die Idee, Autos nicht zu verkaufen, sondern zu vermieten – der Daimler-Konzern ist Pionier mit „Car2Go“.
Auch das Internet als virtueller Schauraum ist Realität – wer heute ein neues Auto kauft, hat sich in aller Regel schon genau im Netz erkundigt oder sich dort gar zum Experten gebildet, ist oft besser informiert als die hauptberuflichen Autoverkäufer beim Händler, wie diese berichten.
Auch wenn die Probefahrt immer noch zum Ritual gehört – die Kaufentscheidung fällt meist schon an der Tastatur, das anschließende Feilschen um Prozente ist bedeutsamer als der Eindruck des kurzen Fahrerlebnisses.
Autos aber im Internet tatsächlich zu bestellen und zu kaufen, das ist ein Szenario der Zukunft. Sicherheitshalber proben es die Hersteller, so aktuell der Volkswagen-Konzern mit der Marke Seat und dem Modell Mii. Der Kleinstwagen, baugleich mit VW Up und Skoda Citygo, ist in einer speziellen „@mii“-Variante nur im Netz zu haben. Aber der Schritt zum Internet-Autoshopping ist nur zur Hälfte getan, denn für den Kauf muss man erst recht zum Händler (wie auch zum späteren Abholen).
Einen Direktvertrieb plant VW auch nicht, das würde der Händlerschaft auch kaum gefallen. So gibt man auf einer Micro-Site von Seat die Bestellung auf, freilich unverbindlich, und wird in der Folge von jenem Händler kontaktiert, der sich geografisch zuständig fühlt. Im Idealfall wird einigermaßen unkompliziert gleich ein Termin zur Probefahrt angeboten.
Schnäppchenfaktor? Für den Mehrwert wird mit einer speziellen Ausstattung aufgewartet, die regulär nicht zu haben ist: mit blauer Sonderlackierung, den Felgen, Spiegelgehäuse und dem Armaturenbrett in Weiß, dazu 1500 Euro Preisnachlass, also in etwa so viel, wie man auch beim Händler herausschlagen können sollte.
Laut Importeur ist „kein übergroßer Run“ auf das Internetmodell zu verzeichnen. Von den 80 Stück, die angeboten wurden, sind laut aktuellem Stand noch 29 zu haben. Gegen 360 bislang in Österreich regulär verkaufte Mii erschüttert das noch nicht die Grundfesten des Gewerbes. Allerdings hat Seat die Aktion auch nicht groß getrommelt. Geprobt wurde auch nur eine neue Form der Anbahnung, die ebenso übers Telefon laufen könnte. Das Auto, bei Amazon gekauft und vor die Haustüre gestellt, bleibt Zukunftsmusik, die vielleicht gar niemand unbedingt braucht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2012)
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