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Ein Diesel, der ein Benziner sein könnte

Diesel Benziner sein koennte
Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Mazda beweist sich wieder als Querdenker: Mit dem SUV CX-5 kommen neuen Dieselmotoren, die leiser und sparsamer sind.

 (Die Presse)

Wien. Manchmal hat man an einen Lauf. Wie Apple beispielsweise beim Entwickeln von Handys oder die New England Patriots in der heurigen Football-Saison. Mazda hat zurzeit einen ähnlichen Lauf. Vergangene Woche schwärmte der Kollege auf den Motorseiten vom neuen Mazda6, diese Woche muss man den CX-5 loben – ein Mittelklasse-SUV, an dem nichts zu bemängeln ist.

Viele Jahre produzierten die Japaner ja beliebige Massenware – solide, brav und wenig aufregend. Man musste ein ganz spezieller Menschenschlag sein, um von so einem Auto angesprochen zu sein (ausgenommen ist natürlich der Roadster MX-5, bei dem die Ingenieure ihre aufgestaute Kreativität ausleben durften).

Grund für das automobile Biedermeiertum war nicht unwesentlich Ford. Der Konzern sicherte sich 1996 einen Kontrollanteil an Mazda. Eine logische Symbiose, auch von Ford hat man seit dem Mustang wenig Revolutionäres gesehen.

Jetzt haben sich die Amerikaner zurückgezogen, und die Japaner können sich wieder ihrer Wurzeln besinnen, die eigentlich die von Querdenkern sind. Dass man auf der Insel freier atmet, sieht man an den Produkten – und damit sind wir beim CX-5.

 

Bemerkenswerte innere Werte

Fangen wir mit den inneren Werten an, denn die sind bemerkenswert. Der CX-5 verwendet die neu entwickelten Skytrain-Motoren, die eine Verdichtung von 14:1 haben (wenig für einen Diesel, viel für einen Benziner; ein Diesel hat üblicherweise eine Verdichtung von 18:1, eine geringere Verdichtung bringt normalerweise den Nachteil, dass das Auto – Selbstzünder! – schwerer startet und nicht so rund läuft). Statt den Vorteil der geringeren Verdichtung technisch zu erklären, erklären wir ihn mit einem Irrtum des Fotografen: Der dachte nach dem Shooting, dass er einen Benziner gefahren ist.

Der 2,2-Liter-Diesel läuft also bedeutend ruhiger, weil die massive Zündung der höheren Verdichtung und das damit einhergehende typische Klopfen und Nageln des Dieselmotors gemindert sind. Weiterer Vorteil: Die Bauteile werden weniger stark beansprucht, man kann also leichter bauen, spart damit Gewicht und am Ende Kraftstoff (im Test schluckte unser CX-5 bei reinen Stadtfahrten 7,4 Liter).

Weniger zugkräftig ist das SUV deswegen aber nicht, zumindest nicht in der getesteten Version mit 175 PS: 420 Nm holt man aus dem Motor, es drückt einen also recht nett in den Sitz. Und trotzdem ist man noch umweltfreundlich unterwegs: In Japan, wo man sehr dieselskeptisch ist, werden vom CX-5 mehr Diesel als Benziner verkauft, und die Neuentwicklung gibt Mazda genug Selbstvertrauen, um diesen Motor heuer als ersten Diesel in den USA anzubieten (technisch erfüllt der Motor die Euro-6-Norm, auf einen Kilometer stößt er nur 119 Gramm CO2 aus).

 

Größer als der VW Tiguan

Äußerlich schmeichelt der CX-5 dem Auge mit sanften Formen, die das SUV weniger wuchtig aussehen lassen, als es ist: Denn mit 4,54 Meter Länge und 1,84 Meter Breite ist der Mazda leicht größer als der VW Tiguan, wirkt aber nicht so. Der größere Radstand (2,7 Meter) ermöglicht einen geräumigen Innenraum und bietet auch für die viel zu schnell größer werdenden Kinder genügend Platz. Apropos: Der Kofferraum ist mit 503 Litern unerreicht in dieser Klasse.

Sonst? Jede Menge Ausstattung – vom automatischen Fernlicht bis zur Spurhaltekontrolle –, wie man sie sich von einem Japaner erwartet, der sich seiner Wurzeln besonnen hat.

Auf einen Blick

Mazda CX-5 AWD Revolution
Maße:
L/B/H: 4540/1840/1670mm. Radstand: 2700mm, Gewicht: 1588 kg, Kofferraumvolumen: 503 l

Motor: 4-Zylinder-Diesel, 2191 cm3, 175 PS (129 kW), 420 Nm bei 2000/min, AWD; 0-100 km/h in 8,8 sec, Vmax: 207 km/h, 7,4 l/100km.

Preis: 37.014 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2013)

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