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Die wechselhafte Liebe zum offenen Auto

wechselhafte Liebe offenen Auto
Bild: c AP 

Ein Land fährt bedacht: Im vergangenen Jahr wurden in Österreich so wenige Cabrios verkauft wie zuletzt vor zehn Jahren. Es sollte aber bald wieder bergauf gehen mit den Offenen.

 (Die Presse)

In der Frühzeit des Automobils hatten die Konstrukteure dringlichere Sorgen als ein tolles Dach: Das Auto ist als Cabrio auf die Welt gekommen, so viel zum historischen Rang dieser Kulturform. Die Unbill der Elemente schulterte man mit pionierhafter Haltung, später mit Roadsterjacke, Lederhaube und zünftigem Schnupfen.

Die Evolution des Autos brachte nach dem Patent Regenschirm bald dauerhaften Schutz vor Wind und Wetter mit sich, sah aber nie die Einstellung der offenen Gattung vor. Solange Autos offen sein dürfen, ist die schiere Freude am Autofahren nicht verloren. Werten wir es als gutes Zeichen, dass das erste namhafte Elektroauto, der Tesla Roadster, ein offenes ist.

 

Endgültig verlötet

Kritische Momente gab es immer wieder. Eine Zeit lang wurde in den USA erwogen, Cabriolets nicht mehr zum Verkehr zuzulassen. Ein Bann auf dem bedeutendsten Automarkt der Welt – speziell für Offene – hätte rasch zur endgültigen Verlötung führen können. Das beanstandete Problem, dass man in einem Cabrio nach einem Überschlag nicht sehr gut aussah, ließ sich dann aber technisch lösen.

Die größte Gefahr dieser Tage droht den Unbedachten durch Boom- und Zukunftsmärkte wie Brasilien, Russland, Indien und China: Dort hat frische Luft im Auto (oft auch mangels frischer Luft) absolut null Appeal. Das mag sich freilich irgendwann ändern. Oft waren es ja überraschende Vorstöße, die nachhaltig Überzeugungsarbeit leisteten. Mazda belebte 1989 mit dem MX-5 die Idee des britischen Roadster (dankenswerterweise ohne dessen Bauqualität), Mercedes eröffnete 1996 mit dem SLK die Ära des klappbaren Stahldachs.

Die Österreicher unterhalten eine unstete Liebesbeziehung zu den Offenen. Im vergangenen Jahr dachte man mit 2896 zugelassenen Cabrios mehr praktisch als romantisch: Absolut und prozentuell wurden zuletzt im Jahr 2002 so wenige Offene abgesetzt.

Der Blick auf die Statistik zeigt allerdings einen Zyklus, der nach schwachen Jahren sehr starke zur Folge hat. So ist 2004 mit 5420 Stück als absolutes Rekordjahr eingetragen. Offen fahren bleibt ein luftiges, hoffentlich sonniges, in jedem Fall aber exklusives Vergnügen: Die Zahl entspricht 1,7 Prozent des damaligen Gesamtmarkts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2013)

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3 Kommentare

"Im vergangenen Jahr wurden in Österreich so wenige Cabrios verkauft wie zuletzt vor zehn Jahren."

Kein Wunder. Es wird ja auch immer kälter bei uns. Da wurden Jahrelang der Klimawandel und min 5°C Temperaturanstieg versprochen, aber was ist passiert? - Nichts.
Ich verlange eine sofortige 5°ige Temperaturanpassung nach oben! - Dann kauf ich mir auch wieder ein Kabrio- für die 2 Monate die man momentan bei und oben ohne fahren kann, zahlt es sich einfach nicht aus...

Re: "Im vergangenen Jahr wurden in Österreich so wenige Cabrios verkauft wie zuletzt vor zehn Jahren."

2 Monate? ich fahre locker das erste mal im März offen. Und das letzte mal im Oktober....

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bei dem wetter kein wunder


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